Einführende Notiz zu Luciano Floridis "New Political Ontology for a Mature Information Society

Philip Specht, Autor des Buches Die 50 wichtigsten Themen der Digitalisierung, schreibt, diese werde uns „mit der wohl größten zivilisatorischen Herausforderung konfrontieren, die es je zu bewältigen galt.“1 Wenn Philosophie nicht nur historische Rückschau bedeutet, sondern beanspruchen will, für die Gegenwart und die Zukunft Bedeutung zu besitzen, dann darf sie gerade auch zu den neueren Entwicklungen der Digitalisierung nicht schweigen. Sie muss kritisch Stellung nehmen, alltägliche Begriffe reflektieren und selbst neue Begriffe prägen, mit denen wir die Wirklichkeit besser verstehen können – eine Wirklichkeit, die immer mehr auch virtuelle Realitäten in sich schließt.

Der folgende Initiativaufsatz von Luciano Floridi, einem der bedeutendsten gegenwärtigen Philosophen des Informationszeitalters, wendet sich verschiedenen philosophischen Dimensionen unserer „Infosphäre“ zu – insbesondere dem Verhältnis von Ontologie, Politik und Gesellschaft. Sein Beitrag besitzt aktuelle Relevanz: Wie kann Europa politisch und gesellschaftlich durch die Möglichkeiten der Digitalisierung profitieren und seine Krisen überwinden, von denen es in der letzten Zeit so geplagt wurde? Wie kann es ein „Humanprojekt“ und die Einheit von „grüner“ Ökologie und „blauer“ Informationstechnik realisieren? Floridi zeigt in seinem Initiativaufsatz eindrucksvoll, wie sich die Digitalisierung ganz konkret auf alltägliche, politische und soziale Phänomene auswirkt, und wie dies unsere Ontologie von Raum und Zeit, wie sie seit Aristoteles und Newton vertreten wird, transformiert, indem nun weniger die Dinge als ihre Relationen an Bedeutung gewinnen. Floridis Überlegungen sind freilich nur der Anfang einer digitalen Philosophie bzw. einer „Philosophie der Digitalität“, die in ihren ganzen Konsequenzen erst noch systematisch entfaltet werden muss.

Ich danke Luciano Floridi für seinen thesenfreudigen Initiativaufsatz und ebenso seinen philosophischen ‚Sparringpartnern‘ – Philip Brey, Manfred Broy, Markus Gabriel, Armin Grunwald, Ruth Hagengruber, Christoph Lütge, Cathrin Misselhorn und Malte Rehbein –, die sich bereit erklärt haben, im nächsten Heft des Philosophischen Jahrbuchs seine Thesen zu diskutieren.

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