126 (2019) - 1. Halbband

Inhalt
1. Auflage 2019
208 Seiten
ISBN: 978-3-495-45101-4
Bestellnummer: P451013
Erscheinungstermin PDF: 2019
Bestellnummer PDF: D100389

Das vorliegende Heft präsentiert eine Vielzahl philosophischer Beiträge. David Torrijos-Castrillejo (Madrid) behandelt in seinem Aufsatz die anaxagoreische Ontologie und die Frage, inwieweit die Teile der Welt in einem Mischungsverhältnis zueinander stehen. Und Dirk Effertz (Halle/S.) untersucht den Begriff des Universalstaats, der civitas maxima, bei Christian Wolff und Michael Christoph Hanov. Die kosmopolitischen Ansätze des 18. Jahrhunderts illustrieren die Reichweite der Aufklärungsphilosophie und sind heute angesichts der programmatischen Aktualität der Globalisierung von besonderem Interesse. Die beiden Aufklärer nehmen die bereits vom platonischen Alkibiades erwähnte und dort von Sokrates ironisch kommentierte Idee unter den gewandelten Bedingungen der Neuzeit ernsthaft auf. Inzwischen hat es den Anschein, als ließen die seitdem hinzugekommenen Veränderungen eine weltweite politische Organisation in den Bereich des technisch Möglichen rücken. Und schon gibt es nicht wenige, die darin die letzte Chance zur Rettung der Menschheit erkennen. Also empfiehlt sich eine kritische Beschäftigung mit den historischen Entwürfen einer erdumfassenden Herrschaft der Vernunft.

Da trifft es sich gut, dass im gleichen Heft mit dem Geist die Instanz thematisch wird, in der die Vernunft zu einer Wirksamkeit gelangt, die nur mit der von menschlichen Institutionen vergleichbar und als unüberbietbar global anzusehen ist. Jörg Noller und Jakob Grüner (beide München) berichten vom Internationalen Symposium 2018 der Schweizerischen Philosophischen Gesellschaft, das der Frage „Was ist Geist?“ gewidmet war. Im vorliegenden Heft wird außerdem ein Beitrag von Markus Wirtz (Köln) abgedruckt, der anlässlich der Verleihung des Karl Alber-Preises für seine Habilitationsschrift Religiöse Vernunft: Glauben und Wissen in interkultureller Perspektive entstanden ist.

Rahel Jaeggi (Berlin) antwortet auf die im letzten Heft publizierten kritischen Einreden von Elif Özmen (Gießen), Barbara Zehnpfennig (Passau) und Ludwig Siep (Münster) zu ihrem Initiativaufsatz über „Lebensformen“, die eine Pointe ebenfalls in ihrer globalen Reichweite haben. Im vorliegenden Heft wird die Debatte mit Beiträgen von Alice Crary (Oxford), Thomas Khurana (Essex), Christoph Menke und Martin Saar (beide Frankfurt) fortgeführt.

Das neue Heft weist darüber hinaus eine große Zahl von Buchbesprechungen auf. Das gibt uns Anlass, auf die unverminderte Bedeutung von Rezensionen aufmerksam zu machen. Es ist kein Geheimnis, dass es nicht immer leicht ist, kompetente Rezensenten zu gewinnen. Bei Autoren, die sich seit Jahren mit ihren Themen befassen, herrscht offenbar die Ansicht vor, das Metier könne man dem Nachwuchs überlassen. Daran ist richtig, dass man im Schreiben von Rezensionen nicht nur seinen Horizont erweitern, sondern auch sein eigenes Urteil schärfen und in eine prägnante Form bringen kann. Aber der Diskussion, dem Fach und den besprochenen Autoren täte es gut, wenn sich auch ältere und erfahrene Autoren vernehmen ließen. Je mehr die Flut der gedruckten Bücher und der digitalen Publikationen ansteigt, umso wichtiger wird das Medium der kritischen Rezension, dem alle ihre Beachtung schenken sollten.

Mit dem Erscheinen dieses Heftes darf das Philosophische Jahrbuch drei neue Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats begrüßen. Es ist uns gelungen, mit Prof. Dr. Elif Özmen (Gießen), Prof. Dr. Erasmus Mayr (Erlangen-Nürnberg) und Prof. Dr. Robert Yelle (München) drei ausgewiesene Vertreter ihres jeweiligen Fachbereichs zur Mitarbeit zu gewinnen. Dass sich das Philosophische Jahrbuch als älteste deutsche Philosophie-Zeitschrift neuen technischen Entwicklungen nicht verschließt, davon zeugt das Online-Archiv, welches ab sofort alle Jahrgänge von 1888 bis 2008 digital einer breiten Leserschaft zum freien Recherchieren unter der Adresse www.philosophisches-jahrbuch.de anbietet. So lassen sich auch vom heimischen Rechner aus bislang unbekannte Texte und interessante philosophische Konstellationen entdecken.

Volker Gerhardt

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