124 (2017) - 1. Halbband

Inhalt
1. Auflage 2017
176 Seiten
ISBN: 978-3-495-45097-0
Bestellnummer: P450973
Erscheinungstermin PDF: 2019
Bestellnummer PDF: D100353

Selbstverständlich haben die Beiträge zu diesem Heft inhaltlich keinen gemeinsamen Nenner. Sie haben aber einen gemeinsamen philosophischen Nenner. Sie streiten alle um Alternativen, und natürlich streiten sie argumentativ. Was immer so sein sollte, fällt dieses Mal besonders auf. Der Streit ist ernst, aber auch spielerisch, immer freundlich und lehrreich. Würde man jeden Beitrag in seine Thesen auflösen, könnte man erst einmal auf jede These einzeln wetten. Denn für jede These lassen sich Gründe denken. Am Ende gewinnen aber die besten Gründe, und das Wetten erübrigt sich.

Wer würde vor dem Beitrag von Mathias Obert darauf wetten, dass Verdinglichung etwas Positives oder doch eher etwas Negatives ist? Lassen Sie sich überraschen. Sie werden etwas über das Wesen der Kunst erfahren und einiges über Heideggers Denken. Hat Kant eine Theodizee vertreten? Eher ‚nein‘ werden einige sagen, die Kant durchaus kennen. Konstantin Sargentis antwortet mit Argumenten, die Sie höchstwahrscheinlich noch nicht kennen. Am Ende werden Sie auch den Unterschied zwischen einer doktrinalen und einer authentischen Theodizee und sogar die Kombination aus beidem verstehen. Christian Kietzmann geht der Frage nach, ob uns Menschen wirklich etwas von den uns am nächsten verwandten Lebewesen unterscheidet. 98 Prozent gemeinsames Genom mit den Schimpansen sind schließlich kein Pappenstiel. Worauf würden Sie wetten, auf die Assimilationisten oder die Differentialisten? Christian Kietzmann hat die Wahrnehmung als Testfall gewählt, schwieriger geht’s nicht.

Statt wetten lesen, nachdenken und sich überzeugen lassen, ist die Devise. Sie gilt auch für die von Nicholas Rescher im vorletzten Heft eröffnete Jahrbuch-Kontroverse „Warum ist überhaupt etwas?“. In diesem Heft antwortet er auf die Diskussions- Beiträge im letzten Heft. Seine Antwort hat etwa den fünffachen Umfang seines Eröffnungsbeitrags. Schon daran ist erkennbar, mit welcher Geduld und Differenziertheit er auf jeden Beitrag eingeht. Sein Text ist gemeinsam mit den einzelnen Beiträgen ein Grundkurs in philosophischer Argumentation zu einer der schwierigsten und wichtigsten Fragen, die wir kennen. Warum darf die Frage, ob überhaupt etwas ist, nicht mit der Frage, warum die Welt so ist, wie sie ist, verwechselt werden? Und warum ist Leibniz mit seiner These von der besten aller möglichen Welten kein Optimist? Viele Existenz- und Möglichkeits-Fragen ähneln sich auf den ersten Blick und sind doch sehr verschieden. Wir lernen durch die argumentative Aufklärung von anfänglichen Verwechslungen und naheliegenden Missverständnissen. Die Wahrheit dieses Gemeinplatzes fällt in diesem Heft auf. Wenn uns das, was selbstverständlich ist oder sein sollte, überrascht, werden unsere Gemütskräfte auf besonders erfreuliche Weise belebt.

Wilhelm Vossenkuhl  

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