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Anzeige:  Gefährliche Seelenführer

122 (2015) - 2. Halbband

Inhalt
1. Auflage 2015
320 Seiten
ISBN: 978-3-495-45094-9
Bestellnummer: 4450946
Erscheinungstermin PDF: 2019
Bestellnummer PDF: D100350

Zunächst möchte ich an dieser Stelle unsere neuen Mitglieder im wissenschaftlichen Beirat willkommen heißen und ihnen (wie auch den schon älter gedienten) ausdrücklich danken, dass sie sich zu all ihren anderen Pflichten, die sie gewiss haben, auch der Aufgabe wissenschaftlich-philosophischer Begutachtung von Manuskripten für unsere Zeitschrift mit angenommen haben.

Den Kolleginnen und Kollegen, Petra Gehring (Darmstadt), Andrea Kern (Leipzig), Michael Großheim (Rostock), Stephan Hartmann (München), Heiner Klemme (Halle/S.), Peter Trawny (Wuppertal) und Paul Ziche (Utrecht) gilt stellvertretend für alle Herausgeber namentlich mein Dank. Ich empfinde es nicht als selbstverständlich, dass jemand auf diese Weise seine Erfahrung und Scharfsinn auch in den Dienst des Gedeihens einer solchen allgemeinen Zeitschrift stellt, wie das Philosophische Jahrbuch es ist. Dies verlangt von jeder und jedem, weil das Jahrbuch in allen Bereichen und Disziplinen gute Beiträge identifizieren und publizieren möchte, Engagement und ein waches Auge nicht nur für die Zentren der eigenen Kernzuständigkeiten und Forschungsfelder, sondern auch für deren Anschlussfähigkeit und Aussagekraft in Beziehung auf angrenzende und gar konträre Auffassungen, um ein lesbares Bild der Philosophie als geistiger Bestrebung insgesamt zu wahren und weiterzuentwickeln. Es verlangt mit einem Wort Urteilskraft und Souveränität im Umgang mit dem, was man selbst nicht sowieso schon gedacht hätte.

Mit einiger Genugtuung und Freude präsentieren die Herausgeber den Lesern des Jahrbuchs diesmal ein besonders umfangreiches und philosophisch gewichtiges Heft: Nicht nur die Reihe der Beiträge schlägt teils für die Gegenwartsdiskussion philosophisch und ethisch spannende, teils historisch und kulturphilosophisch seltenere und darum besonders lesenswerte Themen auf. Vielmehr sind diesmal auch die beiden Blöcke philosophischer Diskussion im Jahrbuch von vorzüglichem Interesse für alle, die die aktuellen Geschicke der philosophischen Debatten in Deutschland mitverfolgen möchten. Ich verweise zum einen auf die ausgearbeiteten Akten der philosophischen Sektion bei der letzten Generalversammlung der Görres-Gesellschaft 2014 zum Schwerpunktthema „Gibt es eine Philosophie des Schönen?“. Kompetent Einführendes hierzu finden Sie aus der Feder von unserer Mitherausgeberin Isabelle Mandrella, die mit philosophischer Tatkraft die Agenda entwickelt und geführt hat und nun die einzelnen Artikel dieses kleinen ästhetik-philosophischen Korpus knapp vorstellt und charakterisiert.

Zum anderen findet der gespannte Leser in Fortsetzung unserer Kontroverse II über Markus Gabriels „Neutralen Realismus“ die feurig und engagiert argumentierenden Antworten von Markus Gabriel auf die ersten vier streitbaren Einreden gegen seine Konzeption, die mit drei anderen zusammen schon im vorigen Heft (I 2015) veröffentlicht wurden; eine zweite ‚Salve‘ von vier weiteren kritischen Wortmeldungen (darunter eine von Johannes Hübner, die erst in diesem Band dazugekommen ist) wird Gabriel erst im wiederum nächsten Heft (I 2016) beantworten können.

Diese meiner Meinung nach höchst facetten- und lehrreiche Auseinandersetzung um eine neue philosophische These, die bis in die Tagespresse hinein auch öffentlich Furore macht, beweist im Sinne von Robert Spaemanns Diktum von der „kontroversen Natur der Philosophie“ einmal mehr die außerordentlich vitale Streitkultur in der deutschen Philosophie, der wir noch weitere kräftige Urständ wünschen. Markus Gabriel aber möchte ich auch an dieser Stelle dafür danken, dass er sich einer solchen Riege coram publico geführter ‚Stichproben‘ gegen ihn und seine Thesen stellt und so gewandt zu antworten weiß. So viel philosophischen Mut und denkerische Offenheit gegenüber anderen Auffassungen dürften nur wenige aufbringen!

Noch ein Wort zu einigen der übrigen Inhalte dieses Bandes: Die junge Philosophin Anne Sophie Meincke (früher Innsbruck, jetzt Exeter) legt einen scharfsinnig und skeptisch argumentierenden Beitrag gegen das beliebte, aber philosophisch allzu bequeme Potentialitätsargument in der Ethik der Menschenwürde vor, wonach menschliche Embryos anfangend mit der Befruchtung schon Personen ‚in potentia‘ seien und damit ontologisch zwingend Anrecht auf entsprechenden Schutz besäßen. Sie zeigt, dass die Kettenglieder dieses Arguments an vielen Stellen schwach sind oder nur unzureichend ineinandergreifen. Daniel Koch erklärt auf eine mich überzeugende Weise, dass Witze nicht schon dadurch, dass sie sich aus einem moralisch verdächtigen Typen-Inventar bedienen (z. B. sexistischer oder diskriminierender Art) in jedem Einzelfall moralisch verfehlt sind und der, der darüber lacht, moralisch zu verurteilen wäre. „Sprung – Ausnahme – Ursprung“ sind drei Figuren intelligenter Abweichung von der Norm, die von einigen Philosophen der Moderne hochgeschätzt, hier in einem Artikel von Hyun Kang Kim versammelt und philosophisch gewürdigt werden.

Insgesamt gilt für die genannten und alle anderen Beiträge zu diesem Band, dass sie einen bemerkenswert reichen und gar nicht nur in akademischen Turmzimmern eingeschlossenen Geist philosophischen Nachdenkens im weiten Einzugsgebiet unserer Zeitschrift belegen. Ich danke allen Beteiligten und ermutige die Leser, es diesen Beispielen philosophischer Formulierungsarbeit und Reflexion gleichzutun.

Thomas Buchheim  

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