122 (2015) - 1. Halbband

Inhalt
1. Auflage 2015
272 Seiten
ISBN: 978-3-495-45093-2
Bestellnummer: 4450938
Erscheinungstermin PDF: 2019
Bestellnummer PDF: D100349

Wie gut oder schlecht es einem Fach geht, zeigen seine Zeitschriften. Sie präsentieren nicht nur aktuelle Diskussionen, sondern geben Auskunft über die Qualität und das Spektrum der Forschungen. Das vorliegende Heft des Philosophischen Jahrbuchs gibt diese Auskunft in einer Reihe anspruchsvoller und interessanter Beiträge. David Meißner überlegt, ob auf der Grundlage des Dynamis-Konzepts in Platons Sophistes eine Definition des Seienden möglich ist. Der Autor hat das Glück, mit seinen Forschungen bestens in den Antike-Schwerpunkt in München integriert zu sein. Amit Kravitz analysiert die Verhältnisse zwischen der Natur und Gott in den philosophischen Theologien Kants, Fichtes und Schellings. Nicht nur über Schellings Beurteilung der Ansichten Fichtes, sondern auch über die Frage, was Gott mit dem Ding an sich zu tun hat, erfährt man Neues. Dagmar Kiesel präsentiert aus der moralpsychologischen Perspektive Nietzsches die Genealogie der Moral von Homer über Platon zu Augustinus. Wenn man Nietzsches Überzeugung, dass die Moral einen Nutzen für die Steigerung des Lebens haben sollte, ernst nimmt, zeigt sich Platon in diesem großen Spektrum in der Mitte zwischen Homer und Augustinus. Lena Robaszkiewicz fragt nach Bernard Williams’ Verhältnis zur Philosophiegeschichte. Der eigenwillige britische Denker hatte, wie der Beitrag zeigt, ein sehr intensives und lebendiges Interesse an der Philosophiegeschichte. Das mag viele überraschen, die ihn primär als Moralphilosophen kennen. Noch überraschender mag es sein, dass er sich Nietzsches Konzept der Genealogie zu eigen machte. Volker Gerhardt denkt in seinem Essay auf zurückhaltende, dennoch vorbehaltlose und keineswegs belehrende Weise über einige der schwierigsten moralischen Fragen der Gegenwart nach. Er gibt fünf Empfehlungen, die eine Perspektive zu Fragen der Selbstbestimmung am Beginn und am Ende des Lebens, zu Intersexualität, zu Beschneidung und zu Organspende auf dem Hintergrund seiner Erfahrungen im Nationalen Ethikrat anbieten.

Sie haben sicher bemerkt, dass das Philosophische Jahrbuch vor einiger Zeit mit den „Kontroversen“ sein Profil erweitert hat. Nach der Kontroverse über die „Mentale Verursachung“, für die Thomas Buchheim den initiierenden Beitrag schrieb, ist nun der „Neutrale Realismus“ mit dem Initialbeitrag von Markus Gabriel das Thema. Thomas Buchheim betreut diese Kontroverse editorisch und gibt in diesem Heft darüber nähere Auskunft.

Wilhelm Vossenkuhl  

Über diese Ausgabe

Beiträge

Berichte und Diskussionen

Rezensionen