121 (2014) - 2. Halbband

Inhalt
1. Auflage 2014
208 Seiten
ISBN: 978-3-495-45092-5
Bestellnummer: 4450920
Erscheinungstermin PDF: 2019
Bestellnummer PDF: D100348

Es steht nicht gut um die Politische Philosophie in Deutschland. Die Tatsache, dass dem Fach im ganzen Land bestenfalls eine Handvoll Professuren gewidmet sind, ist dabei gewiss von Belang. Aber eine Erklärung für den weitreichenden Substanz-, Niveau- und Relevanzverlust liegt darin nicht. Die selbstkritischen Gründe, die hier zu erwägen wären, würden vermutlich einen erbitterten Streit nach sich ziehen, der wie ein quod erat demonstrandum verstanden werden könnte.

Unstrittig aber sollte sein, dass man zur Einschätzung der Lage nichts dringlicher benötigt als eine Kenntnis der Geschichte des politischen Denkens. Und hier nicht nur einen „Abriss“ oder „Überblick“, sondern eine profunde Gesamtdarstellung zu bieten, ist das unschätzbare Verdienst Henning Ottmanns, der zwischen 2001 und 2012 eine profunde Gesamtdarstellung der Politischen Philosophie von den frühgriechischen Anfängen bis zur Gegenwart veröffentlicht hat.

Die neun umfangreichen Bände fügen sich zu einem monumentalen Werk, das größte Aufmerksamkeit verdient. Es geht von einem pointierten Begriff des „politischen Denkens“ aus, der es erlaubt, nicht nur die Engführung bloßer Theorien hinter sich zu lassen, sondern den Blick auf epochale Konstellationen auszuweiten. Weltpolitische Entwicklungen und geistige Strömungen finden ebenso Beachtung wie der publizistische, literarische, religiöse und sozialgeschichtliche Kontext.

Ottmanns Werk ist wie ein Lehrbuch aufgebaut und sorgfältig gegliedert; es nimmt die Autoren und ihre Texte ernst, ohne die Wirkungsgeschichte und die aktuelle Forschungslage zu vernachlässigen. Gleichwohl ist es das Gegenteil eines Kompendiums, in dem sich alles findet – außer der Urteilskraft eines kundig wertenden Autors. Alle Bände, und insbesondere der letzte Band über die Politische Philosophie des 20. Jahrhunderts, geben den leidenschaftlich anteilnehmenden Bürger zu erkennen, der sich mit seiner persönlichen Wertung nicht versteckt. Wer anderer Meinung ist, fühlt sich nicht selten provoziert; mir geht es so, wenn ich lese, wie über Platon, Kant oder Jaspers geurteilt wird. Doch Ottmann hat seine guten Gründe, legt sie dar und nimmt den widerstrebenden Leser durch Ironie und literarische Brillanz für seine souveräne Darstellung ein.

Tatsächlich kann von der einzigartigen Größe der Geschichte des politischen Denkens nichts besser überzeugen als deren Lektüre. Um zu ihr anzuregen, ja, um zu ihr aufzufordern, haben es die Herausgeber des Philosophischen Jahrbuchs als ihre Pflicht und Schuldigkeit angesehen, der historiographischen, politiktheoretischen und philosophischen Leistung Henning Ottmanns ihre ausdrückliche Aufmerksamkeit zu schenken. Sie haben eine Tagung der Görres-Gesellschaft angeregt und die Beiträge zu dem Symposion, das im September 2013 in Tübingen stattgefunden hat, in diesem Band versammelt. Wer keinen Band der Geschichte des politischen Denkens zur Hand hat, braucht im vorliegenden Heft nur Ottmanns eigenen Beitrag zu lesen, um sich von diesem Autor, der viele Jahre zu den Herausgebern des Philosophischen Jahrbuchs gehörte, gewinnen zu lassen.

Volker Gerhardt  

Über diese Ausgabe

Schwerpunkt

Beiträge

Berichte und Diskussionen

Rezensionen