Freiheit

Freiheit ist eine zentrale Kategorie für die Beschreibung menschlicher Handlungen und Entscheidungen. Im Mittelpunkt der neueren Diskussion steht die individuelle Freiheit des handelnden Subjekts. Davon zu unterscheiden sind die Freiheit eines Staates gegenüber anderen Staaten und die bürgerliche Freiheit des Einzelnen gegenüber dem Staat. Trotz einer Reihe von Differenzen stimmen diese unterschiedlichen Formen der Freiheit in der Verbindung eines negativen und eines positiven Kriteriums überein: Während das negative Kriterium die Unabhängigkeit von äußeren Einflüssen oder gar Zwängen verlangt, ergibt sich aus dem positiven Kriterium die Forderung nach einer Bestimmung des Handelns durch die handelnde Instanz selbst, wie sie insbesondere in der mit Freiheit eng verwandten Forderung nach Selbstgesetzgebung (Autonomie) zum Ausdruck kommt und insbesondere für die Abgrenzung von Freiheit und Zufall relevant ist.

Die philosophische Freiheitsdebatte befasst sich im Wesentlichen mit begrifflichen Fragen: Zur Diskussion steht also, was sinnvollerweise unter Freiheit verstanden werden kann. Dies schließt zum einen die Frage ein, was überhaupt als frei bezeichnet wird, ob Freiheit also eine Eigenschaft von Personen oder eine Eigenschaft von Handlungen ist. Vor allem aber geht es zweitens um die Frage, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit man sinnvollerweise von Freiheit sprechen kann. Der Anspruch solcher philosophischen Begriffsanalysen besteht üblicherweise darin, das Alltagsverständnis möglichst umfassend in einer kohärenten Konzeption zu erfassen. Dies gilt auch für die Analyse des Freiheitsbegriffs. Die Details einer solchen Konzeption sind umstritten. Dies betrifft insbesondere die Vereinbarkeit von Freiheit und Determination.

Die besondere Bedeutung des Freiheitsproblems hat in vielen Fällen dazu geführt, dass sich Philosophen – häufig unter Bezugnahme auf physikalische Erkenntnisse – auch zu der Frage geäußert haben, ob unsere Welt determiniert ist oder nicht. Außerdem hat in den letzten Jahren die Frage nach den Konsequenzen empirischer Befunde aus den Neurowissenschaften und der Psychologie für das philosophische Freiheitsproblem an Bedeutung gewonnen.

Trotz der großen Vielfalt der Positionen, die in der Freiheitsdebatte vertreten worden sind, liegt der Diskussion über die Willensfreiheit eine vergleichsweise kleine Zahl von zentralen und gut unterscheidbaren Intuitionen zugrunde, die im Kern wenig umstritten sind. Diskussionen setzen eher bei der Frage an, wie diese Intuitionen genau zu verstehen sind und welche Implikationen sie für die Bestimmung von Freiheit haben.

Zentrale Bedeutung tragen dabei die oben bereits erwähnte negative und positive Bestimmung von Freiheit. Freiheit muss also erstens – negativ – gegen Zwang und externe Determination abgegrenzt werden. Freie Handlungen müssen daher autonom sein. Ähnliches gilt aber auch für Freiheit auf der Ebene einzelner Bürger oder ganzer Staaten: Auch in diesen Fällen würden wir davon sprechen, dass Zwang oder äußere Festlegungen die Freiheit einschränken bzw. im Extremfall auch ausschließen. Zweitens muss Freiheit – positiv – auch gegen Zufall abgegrenzt werden. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass eine freie Handlung – anders als ein zufälliges Geschehen – auf den Handelnden zurückzuführen ist. Unverzichtbar ist diese Bestimmung u.a. deshalb, weil Freiheit im Allgemeinen als hinreichende Bedingung von Verantwortung betrachtet wird. Doch wie soll man eine Person für eine Handlung verantwortlich machen, die durch bloßen Zufall zustande kam? Auch dieses Kriterium gilt für ganze Staaten ebenso wie für einzelne Personen: Einen Staat, dessen Handeln sich nicht auf die Entscheidungen, Wünsche und Interessen seiner Bürger zurückführen ließe, würden wir normalerweise ebenfalls nicht als frei bezeichnen.

Beide Kriterien entsprechen im Wesentlichen unseren vorwissenschaftlichen Intuitionen, doch sie sind auch innerhalb der philosophischen Diskussion nicht ernsthaft umstritten. Ein weiteres Kriterium spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, ist jedoch nicht völlig unumstritten. Üblicherweise gehen wir davon aus, dass eine Handlung nur dann als frei bezeichnet werden kann, wenn der Handelnde auch eine Möglichkeit gehabt hätte, die Handlung zu unterlassen. Das Kriterium hat zentrale Bedeutung in der Auseinandersetzung um die Vereinbarkeit von Freiheit und Determination: Wenn wir in einer determinierten Welt leben, dann scheinen alle Handlungen und Entscheidungen determiniert zu sein – von echten Handlungsalternativen könnte also niemals die Rede sein. Freiheit und Determination schließen einander also offenbar aus.

Die heute in der Diskussion befindlichen philosophischen Ansätze unterscheiden sich vor allem in der konkreten Auffassung darüber, wie die skizzierten Intuitionen genau zu verstehen sind. Von entscheidender Bedeutung ist dabei nach wie vor die Frage nach der Vereinbarkeit von Freiheit und Determination. Während Kompatibilisten der Auffassung sind, dass Freiheit und Determination miteinander vereinbar sind, gehen Inkompatibilisten davon aus, dass Determination Freiheit ausschließt. Einen Schritt weiter gehen die sogenannten Impossibilisten: Sie glauben zeigen zu können, dass es Freiheit weder in einer determinierten noch in einer nicht-determinierten Welt geben kann.

Quelle: Neues Handbuch philosophischer Grundbegriffe. Hrsg. von Armin Wildfeuer und Petra Kolmer. Verlag Karl Alber 2011

Produkt wird in den Warenkorb gelegt.
 
Weiter shoppen Zum Warenkorb Sie haben einen Artikel in den Warenkorb gelegt.

Artikel

Ausgabe

Einzelpreis

Menge

Gesamtpreis