PredigthilfePredigtwerkstatt zu Mt 7,24–27

Ein paar PastorInnen und PrädikantInnen (und ich) hatten letzte Woche eine Predigttwerkstatt als Zoomkonferenz, in der wir uns über diesen Predigttext und diese Frage ausgetauscht haben. Auch wenn ich am kommenden Sonntag nicht predige, ist mir von daher die Problematik vertraut. Mit Erlaubnis der Leiterin der Predigtwerkstatt schicke ich das Dokument mit der Kurzexegese und einigen kurzen Gedanken vom Austausch mit. Vielleicht sind Anregungen da drin, die helfen können.

Hinzufügen möchte ich, dass ich es wichtig finde, in der Predigt zu sagen, was mit dem Predigttext nicht gesagt wird und dass es hier nicht um die Flutkatastrophe geht, sondern um unser Lebenshaus. Jesus sagt nicht, dass die Leute ihr Haus auf Sand gebaut hätten oder die, wo es stehen blieb, auf Fels. Der Predigttext darf nicht als Schuldzuweisung und schon gar nicht als Gericht Gottes durch die Flutkatastrophe verstanden werden. Da es aber immer im Hinterkopf mitschwingen wird, muss es erwähnt werden, damit die Hörer keine falschen Schlüsse ziehen. Aber vielleicht macht die Flutkatastrophe deutlich (nur als Bild) wie zerbrechlich unser Leben ist.

Annette Kühlmann, Prädikantin

Hier die Zusammenfassung der Predigtwerkstatt, an der Kollegin Kühlmann teilgenommen hat

  1. Kontext: Diese Parabel schließt die Bergpredigt ab, Jeus Rede an das Volk. Diese Parabel fasst die gesamte Predigt Jesu mit ein. Das sind Jesu Worte, sein Vermächtnis an das Volk; die Geschichte zeugt vom großen Sendungsbewusstsein Jesu. Vor unserer Perikope: spricht Jesus von der Gebetserhörung und von falschen und wahren Jüngern. Nach unserer Perikope stehen die Verse 28 und 29. Sie erzählen vom Entsetzen der Zuhörer über Jesu „Vollmacht“ (im Wortsinn: die gerechtfertigte, machtvolle, richtige, von oben verliehene Autorität) – er unterrichtete anders als die Gelehrten seiner Zeit. Im Kapitel 8 heilt Jesus Kranke. Er bekräftigt seine Worte mit heilsamen Taten.
  2. Aufbau: Die Parabel besteht aus parallelen Gliedern und ist orientalisch kunstvoll gestaltet: wie ein Gedicht.
  3. Synoptischer Vergleich: Das Gleichnis ist aus der Logienquelle Q – die Parallele findet sich in Lukas 6, 47 – 49 und schließt dort die Feldrede ab. Dort sind nur die Wasserfluten die Gefahr, hier in Matthäus ist die Gefahr dreifach. Lukas hatte wohl eher die griechische Stadt mit ihren Steinhäusern im Sinn.
  4. Kleine Wortkunde: Klug (phronimos): einsichtsvoll, verständig, lebenspraktisch klug: hier, einer, der weiß, was die Stunde geschlagen hat, der weiß, was die Stunde des Gerichts bedeutet. Töricht (moros): verrückt, närrisch, dumm, Idiot: drückt moralische oder geistliche Wertlosigkeit aus. Es ist eine schwerwiegende Beleidigung, weil es sich hier nicht um fehlende Bildung handelt, sondern um Charakterlosigkeit.
  5. Erklärung: Wir befinden uns im ländlichen Palästina. In einem Wadi, einem sandigen Trockental, kann es schnell zu Überschwemmungen kommen, der eine der beiden Hausbauer baut dort sein Haus. Der Hausbau ist einfach und geht schnell von der Hand. Hier ist an ein Lehmhaus gedacht, das Wind und Regen zerstören kann. Ein Lehmhaus bestand aus einer Grundmauer aus Felssteinen, darüber Lehmziegel. Das Dach bestand aus Balken, Ästen, Schilfpalmblättern und gewalztem Lehm – jedes Jahr musste das Dach ausgebessert werden, damit es dem Regen standhielt. Das andere Lehmhaus ist auf festem Untergrund auf einem Berg gebaut. Auf dem Berg zu bauen, ist viel schwieriger. Das Baumaterial musste hochgetragen werden, der Untergrund war schwerer zu bearbeiten, um eine gute Grundsteinmauer zu bauen. Das Baugeschehen dauerte viel länger als im Trockental zu bauen. Hier geht es nicht, wie üblich in Jesu Umwelt, um das Hören, Studieren und die Praxis der Thora, sondern um das Hören und Befolgen von Jesu Worten. Jesus kennt sich mit dem Häuserbauen aus, hat er doch Zimmermann gelernt. Es ist eine eschatologische Doppel - Parabel, die das letzte Gericht meint. Ein letztgültiger großer Sturm, in dem sich der Glaubende bewährt. Erst nach dem letzten Gericht wird klar, wer Bestand hat. Dieses letzte Gericht kommt wie die Sintflut über die Menschen. Ähnlich wie am Ende der Bücher Levitikus (26) und des Deuteronomiums (30, 15 – 20) werden die Leser vor die große Alternative gestellt. Das Lebenswerk eines Menschen gleicht einem Bauwerk. Wenn ich den beschwerlichen Weg wähle und ein Haus auf den Berg baue, wird sich dass am Ende auszahlen. Ich werde mit diesem Bauwerk vor der Vernichtung geschützt sein. Vers 27 Ende: eine letzte große Warnung! Wer beim Gericht nicht besteht, der stürzt tief. Der Törichte hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt, er hat nicht erkannt, er hat Jesu Worte zwar gehört, aber erkennt nicht die Bedeutung für sein Leben und für seinen Tod. Er begreift nicht den Ernst der Lage, sondern wiegt sich zu lange in Sicherheit. Es gibt für ihn keine Rettung mehr. Es geht hier ausdrücklich um Hören und Tun! Beides ist wichtig. Christsein bedeutet: praxis pietatis! Die Parabel knüpft an 5,19 an: … wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. Jesu Predigt verlangt nach dem Handeln. Doch Jesus ist ein umstrittener Mann. Er redet nicht wie andere, er stellt sich im Gegensatz dazu: Ich aber sage euch…. Soll man diesen Worten folgen? Wer diesem Jesus folgt, weiß, dass es mühsam ist, es wartet viel Arbeit. Wer Jesus nachfolgt, weiß, dass ein schweres Unwetter bevorsteht. Er ist nicht naiv, sondern trifft Vorkehrungen und scheut dabei weder Kosten noch Mühen. Der andere Häuslebauer rechnet nicht damit, dass die Zeiten schlechter werden könnten, er ignoriert die Gefahr.
  6. Impulse für Predigt und Gespräch:
    • Wie halten wir es mit den Geboten der Bergpredigt? Es lohnt, sich die Bergpredigt vorzunehmen: wo will und kann ich dem gerecht werden und wo scheitere ich? Jesus ist radikal und konnte es sein. Der Preis für seine Radikalität war sehr hoch. Wie halten wir es heute in unserer Kirche mit Jesu Forderungen? Ist es möglich, in der Nachfolge Jesu so zu leben? Oder sind wir in unserem reichen Land, in unserer nach wie vor reichen Kirche nicht immer und immer wieder zum Scheitern verurteilt?
    • An welchem Zipfel der Bergpredigt kann ich anknüpfen, um zu hören und zu tun? • Welchen Wert messen wir unseren Worten bei? Ich würde nach einer Predigt nicht in dieser steilen Form sagen, macht, was ich sage, sonst verliert ihr alles! Aber Menschen mit diesem Sendungsbewusstsein finde ich auch beeindruckend: z.B. Greta Thunberg, die Fridays for future Bewegung…
    • Jesu Worte zu befolgen, macht Mühe, wie ein Haus auf Felsen zu bauen. Es ist anstrengend, lohnt sich aber letztendlich.
    • Was bedeutet heute das sprichwörtlich gewordene Jesuswort: „Auf Sand gebaut“?
    • Der Glaube bewährt sich dann, wenn die Stürme des Lebens kommen. Wie kann mir der Glaube in schwieriger Zeit Halt geben?
    • Was machen wir mit diesem Gleichnis angesichts der verheerenden Überschwemmungskatastrophe?
    • Lieder: Wer nur den lieben Gott lässt walten 369,1
    • Wie haben Menschen angesichts der Katastrophe (in Katastrophen) verantwortlich gehandelt. (siehe Link von Peter Eichfeld)
    • Warum sind wir so faul, die Steine auf den Berg zu tragen (warum vermeiden wir Anstrengungen)
    • https://www.t-online.de/-/90430104?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE
    • https://www.faz.net/social-media/instagram/steinbachtalsperre-baggerfahrer-nach-seinem-einsatz-am damm-17444654.html
    • Die existenzielle Dimension des Gleichnisses – wir sind oft beides, mal der einer, mal die andere…
    • Lieder: Lass uns in deinem Namen Herr Lieder und Psalmen für den GD 25) Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht (zu Psalm 119).
    • Der Felsen ist weiblich im Griechischen (Petra)

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