Oktober

Inhalt
1. Auflage 2019
Bestellnummer: Z470006
Erscheinungstermin PDF: 2019
Bestellnummer PDF: D100409

Im Juli konnte ich als Botschafterin von terre des hommes dabei sein, als in Neuss der „Platz der Kinderrechte“ eingeweiht wurde. Mich hat das sehr gefreut, weil viele Kinder nicht um ihre Rechte wissen, die 1989 von der UN verabschiedet wurden. Aber ich fürchte, viele Erwachsene kennen diese Rechte auch noch immer nicht. Erst im Jahr 2000 wurde das Recht auf gewaltfreie Erziehung bei uns gesetzlich verankert. Solch ein „Platz der Kinderrechte“ ist eine gute Idee, finde ich, weil er öffentlich daran erinnert. Es ist schön, dass immer mehr Städte und Gemeinden sich dazu entschließen, auch bei sich einen Platz so zu benennen. Natürlich sind Kinder unsere Gegenwart, nicht nur unsere Zukunft. Aber in der Gegenwart ist wichtig, dass sie gefördert werden, damit sie eine gute Zukunft haben und die Zukunft unseres Landes mit gestalten können. Deshalb muss Kinderarmut ein entscheidendes Thema für die Politik, für unsere Gesellschaft und auch für die Kirchen sein. Dass jedes sechste Kind in unserem Land in Armut aufwächst, ist ein Drama, das sich im Stillen, abseits der großen Schlagzeilen, abspielt. Und wie bitter kann das sein, wenn du als Kind begreifst: Ich kann nicht mitmachen. Ich bin Außenseiter. Das können wir uns nicht leisten!

Aktuell wird diskutiert, ob Kinder erst eingeschult werden, wenn sie die deutsche Sprache beherrschen. Das halte ich für schwierig. Es gibt genug Bespiele von Kindern aus Zuwandererfamilien, die in der Schule spielend Deutsch gelernt haben. Aber dafür muss die Mehrheit die Landessprache sprechen! In Garbsen bei Hannover habe ich eine Schule besucht, in der das Projekt „Kickfair“ über Sport kulturelle und sprachliche Differenzen zu überwinden versucht. In der Klasse, die wir besucht haben, hatten knapp 90 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund, es wurden die verschiedensten Sprachen gesprochen. Wohin wird dann integriert?

Der Spracherwerb ist ganz sicher ein zentraler Faktor, um sich zu beheimaten. Deshalb finde ich richtig, wenn er vor der Einschulung stattfindet. Wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht möglich war, sollte das im Schulalltag ein entscheidendes Thema sein. Ich bin überzeugt, wenn Schulen um Unterstützung bitten, würden sich viele bereit erklären, nachmittags ein Kind beim Spracherwerb zu unterstützen. Kinderarmut hat viele Ursachen. Ja, auch die Eltern brauchen Unterstützung und Begleitung, damit das Recht auf elterliche Fürsorge Wirklichkeit wird. Vor allem aber ist es die Erfahrung, ausgegrenzt zu sein, die arme Kinder prägt. Daran können wir etwas ändern in unserem Land, denke ich. Als Nachbarn, in der Kirchengemeinde, in der Schule und mit politischen Entscheidungen. Denn ja, es gibt auch das Recht auf Gleichberechtigung, auf Gesundheit, Bildung, Spiel und Freizeit. Kinder in Deutschland sollten erleben, dass diese Rechte für sie Wirklichkeit sind.

Über diese Ausgabe

Kontrovers

  • Plus S. 3

    Den Erziehungsratgeber einfach mal zur Seite legen

    Der Krieg der Argumente um die richtige Kindererziehung ist heftig: autoritär oder ohne jeglichen Erwartungsdruck, früh in die Kita oder erst mit drei. Wer Orientierung sucht, bekommt den Eindruck: Erziehen ist wahnsinnig anstrengend. Und auch 30 Jahre nach der friedlichen Revolution gibt es bei diesem Thema noch einen Unterschied zwischen Ost und West.

Alltags­heldinnen

  • Plus S. 4-5

    Sexualisierte Gewalt in SodomWarum stellt sich der Vater nicht vor seine Töchter?

    Die Geschichte von Lots Töchtern ist eine Geschichte des Machtmissbrauchs. Die zwei Mädchen werden doppelt und dreifach zu Opfern. Zuerst bietet sie der Vater zur Gruppenvergewaltigung an. Dann missbraucht er sie selbst. Und schließlich werden sie von der biblischen Erzählung als Verführerinnen gezeichnet.

Mitten im Leben

  • Plus S. 6-7

    Das Kind in der Mitte

    Jesus geht auf Augenhöhe, um ein Kind zu segnen. Welch Provokation für ein statusorientiertes Denken!

Auf ein Wort

  • Plus S. 8-9

    Vorleben und lieben

    Nicht auf Rosen gebettet zu sein, kennen die Schauspielerin Uschi Glas und Margot Käßmann beide aus ihrer Kindheit. Engagement für benachteiligte Kinder ist beiden eine Herzensangelegenheit. Ein Gespräch über Erziehung, Mutterliebe und Gerechtigkeit.

Kompakt

Das schöne Wort

Zu Gast

  • Plus S. 13-14

    Brot und Wein durch Gitterstäbe

    2017 besuchte Margot Käßmann als Reformationsbotschafterin Mexiko. Vor allem die Situation der Flüchtlinge dort erschütterte sie.

Autoren/-innen