Nr. 1/2019April

Inhalt
1. Auflage 2019
Bestellnummer: ZP0080860001

Je älter ich werde, desto spannender finde ich das Thema Geschwister. Das ist offensichtlich kein individuelles, sondern ein verbreitetes Phänomen. Sterben die Eltern, bleiben die Kinder mit den gemeinsamen Erinnerungen zurück. Und: Freundinnen und Freunde gehen, Geschwister bleiben, es ist in der Tat die längste Beziehung des Lebens. Sie prägt unsere gesamte Kindheit.

Wenn ich die Schwester oder den Bruder einer Freundin oder eines Freundes kennenlerne, finde ich das immer interessant. Wie nahe sind sich die beiden? Sehe ich in dem anderen etwas, was ich wiedererkenne? Verhaltensmuster von uns allen werden ja in der Kindheit geprägt.

Vor vielen Jahren habe ich ein Buch über die Mütter der Bibel geschrieben. Leserinnen und Leser haben zurückgemeldet, dass es für sie anregend war, diese Gestalten ganz neu oder überhaupt erst kennenzulernen. Bei den Müttern stieß ich natürlich immer wieder auch auf deren Kinder und die verschiedenen, sehr spannenden Geschwisterbeziehungen. Und so hat es mich letztes Jahr fasziniert, wieder einzusteigen in die biblischen Erzählungen, um mich den Geschwistern der Bibel zu nähern. Gewiss, biblische Erzählungen sind keine Sachberichte, es gibt keine Youtube-Videos. Aber es sind Geschichten, die seit Jahrtausenden beeindrucken, weil Grundsätzliches zur Sprache kommt: Liebe und Hass, Hingabe und Gewalt. Im neuen Buch „Geschwister der Bibel“ erzähle ich diese Geschichten nach, lasse sie klingen und versuche dann, sie in eine Beziehung zu unseren Erfahrungen, unserem Leben heute zu bringen. Denn das ist mir wichtig: Die Bibel ist kein Buch von gestern. In jeder Generation hat sie ihre Weisheit Menschen neu erschlossen. Beispielsweise klingt die Geschichte von Noahs Sohn Ham und Lots Töchtern in Zeiten der Missbrauchsdebatten noch einmal ganz neu. Das hat mich bewegt.

Was mich zudem beeindruckt: Wenn wir von Kain und Abel, Jakob und Esau, Maria und Martha sprechen, wissen Menschen in Indonesien oder Tansania oder Brasilien sofort, um welche Geschichte es geht. Da sind wir als Christinnen und Christen dann Geschwister im Glauben.

Ich freue mich, dass der Herder Verlag mir die Gelegenheit gibt, monatlich eine Zeitschrift herauszugeben, die Sie abonnieren können. Immer wieder werde ich um Stellungnahme zu aktuellen Themen gebeten, die ich relevant finde, oder mir werden Fragen nach biblischen Zusammenhängen gestellt. So soll es jeden Monat ein Schwerpunktthema geben, ein Gespräch mit einem interessanten Menschen, einen biblischen Impuls, dazu Anregungen zu Lektüre, Film und Musik sowie Grundinformationen zu kirchlichen Anlässen. Mir liegt daran, das alles mit einer ökumenischen Grundhaltung zu schreiben und in einer Tonlage, die auch für Menschen gut lesbar ist, die nicht Mitglied einer Kirche sind. Schön, wenn Sie daran Interesse haben.

Herzlich grüßt Sie Ihre Margot Käßmann