Spiritualität im Islam und Christentum

Wie sich Muslime und Christen begegnen können

Anselm Grün und Ahmad Milad Karimi werfen einen neuen Blick auf die gemeinsamen Schätze der Spiritualität.

Im Dialog: Zwei tiefe Kenner und überzeugende Vertreter ihres Glaubens

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Muslime und Christen leben ihre Religion in der gleichen Gesellschaft – und doch meist nebeneinander. Gibt es gemeinsame Schätze der Spiritualität? Und was sind »Stolpersteine« der Verständigung? Anselm Grün und Milad Karimi beschreiben aus dem Herzen ihrer Tradition Wege, die zum Verständnis des anderen führen, suchen Kriterien für die innere Wahrheit einer Religion. 

Im Herzen der Spiritualität: Wie sich Muslime und Christen begegnen können
Anselm Grün, Ahmad Milad Karimi

Im Herzen der Spiritualität: Wie sich Muslime und Christen begegnen können

Verlag Herder 2019, 288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 20,00 €

  • Das bessere Verständnis unter den Religionen ist unerlässlich

    "Die Begegnung von Christen und Muslimen ist deutscher Alltag. Aber was wissen sie voneinander? Religiöse Vielfalt macht ein Gemeinwesen in vielem reicher – auch konfliktreicher. Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt im säkularen und weltanschaulich neutralen Staat ist das bessere Verständnis unter den Religionen unerlässlich. Dieses lesenswerte Buch leistet im Dialog zweier gelehrter Vertreter ihres Glaubens einen lehrreichen Beitrag dazu. Ohne Fremdheit zu leugnen, aber voll gegenseitigen Respekts, wechselseitiger Anerkennung und mit dem erkennbaren Wunsch, sich einander anzunähern."
    (Dr. Wolfgang Schäuble, Präsident des Deutschen Bundestags)

  • Muslimische Positionen von innen kennenlernen

    "Mich nerven die vorgestanzten negativen Schablonen, die plakativen Klischees und die aggressiven Vorurteile, die hierzulande den Islamdiskurs weitgehend bestimmen und nicht nur an der Lebenswirklichkeit und der spirituellen Erfahrung religiöser Muslime vorbeigehen, sondern auch die spannenden Bewegungen der Reform, die Neuinterpretation des Korans, moderne Denkströmungen übersehen. Ich hoffe auf eine jüngere Generation, die neugierig darauf ist, aktuelle authentische muslimische Positionen von innen her kennenzulernen. „Im Herzen der Spiritualität“ zeigt Wege dazu, weil es dialogisch versucht, diesen Unterschied zu machen, neue Wege der Interpretation zu erkunden und doch den existenziellen Kern der Religionen für heute zu erfassen."
    (Prof. Dr. Katajun Amirpur, Islamwissenschaftlerin, Universität Köln)

  • Aus dem Herzen der christlichen und muslimischen Spiritualität

    "In jeder Beziehung, auch in der Beziehung zwischen den Religionen, geht es um Menschen, die sich begegnen, die sich kennenlernen, miteinander wachsen und die einander lieben lernen, auch in ihrer Andersartigkeit. Gerade in einer Zeit, in der so oft Hass und Feindschaft geschürt werden, ist es wichtig, auch im anderen das Ebenbild Gottes zu erkennen. Weil es aus dem Herzen der christlichen und muslimischen Spiritualität Wege beschreibt, die nicht auseinander, sondern zueinander führen, halte ich dieses Buch für zukunftsweisend."
    (Dr. Notker Wolf OSB, Abtprimas em.)

Aus dem Vorwort von Herausgeber Rudolf Walter

Dass Glaube das Schöne in uns offenbar machen kann

"Nach dem Zweiten Vatikanum, also seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es im Verlag Herder sog. „Weltgespräche“, meist als Dialog zwischen Vertretern der großen Weltreligionen. „Drei Wege zu dem einen Gott“ hieß ein Titel, der dem gemeinsamen Erbe der abrahamitischen Religionen auf der Spur ist. Das vorliegende Buch steht in dieser Tradition, ist von seiner Entstehung her geprägt von der Suche Gemeinsamkeiten und nach Wegen des Miteinander in der „einen Welt“. „Im Herzen der Spiritualität“ ist das Ergebnis längerer Vorbereitung, mehrerer Treffen, eines intensiven persönlichen und schriftlichen Austausches. Das Buch konnte entstehen, weil beide Autoren Religion vor allem als spirituelle Lebensdeutung und sinnstiftende Lebenspraxis sehen und in der Begegnung immer wieder auch bestätigt fanden, dass sie einen ähnlichen Blick auf die je eigene Tradition haben. Sie teilen die Überzeugung, dass Glaube das Schöne in uns offenbar machen kann und dass Gutes, Wertvolles in unserer Welt verloren geht, wenn Gott als Quelle des Lebens und der Schöpfung verschüttet wird und Menschen – seien sie Christen oder Muslime - die Religion zum Instrument der Macht machen."
Rudolf Walter, Herausgeber

Die Autoren im Gespräch

  • Pater Anselm, warum ist für Sie als Christ der Dialog mit dem Islam wichtig?

    Anselm Grün: Wenn Religionen gegeneinander in Stellung gebracht werden, verschärft das Konflikte, auch wenn sie möglicherweise in nichtreligiösen Ursachen wurzeln. Konfrontation kann kein Weg in die Zukunft sein. Gegenseitige Isolation ebensowenig. Und schon weil immer mehr Muslime hierzulande unter uns leben, ist die Frage dringlich: Wie können wir uns als Nachbarn auch auf einer spirituellen Ebene wirklich begegnen?

    Bleibt nicht der Islamismus ein Problem?
    Natürlich haben wir auch über Themen wie Gewalt und Intoleranz gesprochen. Und über die Frage: Was unterscheidet Islam von einem gewalttätigen Islamismus? Was ist wirklich der Kern dieser Religion? Aber vor allem haben wir nach Brücken gesucht, über die man zueinanderkommen kann. Es geht um Themen wie Jesus, Gotteserfahrung, Erlösung, Mission, Jenseitsvorstellungen. Aber auch um die Praxis: Gebet, Pilgern, Geschlechterbeziehung etc.

    Was erhoffen Sie sich vom Dialog mit dem Islam?
    Ich erwarte auch etwas für den eigenen spirituellen Weg. Die Wahrnehmung des anderen kann immer auch den eigenen Standpunkt verändern, klären und bereichern. Es sind ja die wesentlichen Fragen, die uns alle angehen und umtreiben: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was trägt uns, woraus leben wir?

    Was ist Ihnen bei dieser Begegnung besonders bewusst geworden?
    Es gibt nur einen Gott, auch wenn wir verschiedene Bilder von ihm haben. Das Miteinander von Christentum und Islam, ist ein Weg hin auf dieses letzte gemeinsame Ziel.

    Eine wichtige Botschaft des Buches?
    Der Versuch, dem anderen den eigenen Glauben zu erklären, die eigenen Grunderfahrungen offenzulegen, bringt uns einander näher. Im Hinhören auf die Glaubenserfahrung des anderen wird auch der eigene Glaube verdeutlicht und die eigene Spiritualität vertieft.

  • Professor Karimi: Was war für Sie als Muslim in diesem Dialog zentral?

    Ahmad Milad Karimi: Antworten zu finden auf die Frage: Wie können zwei unterschiedliche spirituelle Wege (der christliche und der islamische), einander wirklich so begegnen, dass das Ergebnis nicht nur informativ und klärend ist und bestehende Spannungen auflöst, sondern sich auch im Sinne gegenseitiger Bereicherung auswirkt?

    Warum ist dieses Gespräch auch für Muslime notwendig?
    MK Der Islam kann sich ohne die bleibende Bezogenheit zum Christentum und Judentum kaum selbst verstehen. Wir brauchen Menschen, die das lebendige Zeugnis der Christenheit in sich tragen, um in der Begegnung mit ihnen unsere eigenen Quellen, wie den Koran, besser zu verstehen. Denn der Koran ist erfüllt von christlichen Weisheiten und Aussagen, die verstanden werden müssen.

    Gibt es auch persönliche Gründe?
    MK Ich habe in Freiburg studiert, und mein akademischer Lehrer ist katholischer Theologe. Von ihm habe ich, gerade in Auseinandersetzung mit dem Christentum, auch viel über den Islam gelernt. Auch, dass die Würdigung der Andersheit eine islamische Tugend sein kann.

    Was war für Sie die zentrale Erfahrung?
    MK Das Schöne für mich war, zu entdecken: Unsere Fragen sind dieselben. Und zu sehen, dass wir die Wahrheit nicht in Besitz haben, auch wenn wir davon überzeugt sind, dass unser eigener Weg wahr ist. Und das Besondere: dass ich diesen Dialog als junger Philosoph mit einem in der Weisheit erfahrenen spirituellen Meister der christlichen Tradition führen konnte. Das Verhältnis von Lehrer und Schüler repräsentiert für mich auch ein Stück weit das Verhältnis zwischen Christentum und Islam.

    Eine wichtige gemeinsame Botschaft dieses Buches?
    Indem wir einander unseren spirituellen Weg erklären, können wir auch eine Sprache finden, die den Menschen von heute, Gläubigen wie Ungläubigen, den Reichtum unserer spirituellen Tradition so weitergeben kann, dass er die Menschen und die Gesellschaft von morgen prägt.

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