Kulturelle Erneuerung

"Festzustellen, dass Kultur, ähnlich wie Natur, janusköpfig ist, soll heißen, dass sie zugleich aufbauend und zerstörend wirkt, ist mittlerweile trivial. Um sich vor den zerstörerischen Kräften der Natur zu schützen, hat der Mensch im Laufe seiner langen Evolution Vorkehrungen getroffen. Frühzeitig dämmerte ihm jedoch auch, dass Entsprechendes im Blick auf seine Kultur erforderlich ist. Mehr noch: Die Erkenntnis reifte, dass mit der Zurückdrängung 'natürlicher' Gefahren die aus der Kultur erwachsenden ständig größer werden.

Mehr denn je steht der Mensch deshalb vor der Herausforderung, sich vor seinem eigenen Werk, vor allem was als Kultur angesehen werden kann, schützen zu müssen. Wie schützt der Mensch sich vor sich selbst? Volker Gerhardt und Michael von Brück sind diesen Fragen nachgegangen, sowohl im europäischen Kulturkreis wie auch interkulturell im Hinblick auf die asiatische Geisteswelt. Die Ergebnisse der beiden tiefschürfenden und sich hervorragend ergänzenden Untersuchungen liegen nun vor, und die Stiftung kulturelle Erneuerung freut sich, beide Bücher einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. Sie will damit einen Beitrag zu einer immer dringlicheren Debatte leisten."

Meinhard Miegel

Zu den Büchern

Michael Brück: Interkulturelles Ökologisches Manifest

Dass wir, unsere Kinder und die folgenden Generationen ökologisch vor ungeheuren Herausforderungen stehen, ist offensichtlich. Doch es herrscht Ratlosigkeit, wenn nachhaltige Auswege aus der Krise gefragt sind. Michael von Brück bringt dafür Denkansätze aus den europäischen und asiatischen Traditionen in ein Gespräch, aus dem uns ein Umdenken, ein Umfühlen, ein neues Handeln zuwachsen kann. Europa, Indien und China verfügen über einen bedeutenden spirituellen Reichtum, von dem her eine Transformation unserer Lebensformen und eine Erneuerung unseres Selbstverständnisses als Menschen auf dieser Erde möglich ist. Denn nicht durch Drohung, sondern durch Einsicht wird der Mensch zur Transformation bewegt.

Der Autor:
Michael von Brück, Professor em. für Religionswissenschaft an der LMU in München. Er ist ordinierter evangelischer Pfarrer, Rektor der Palliativ-Spirituellen Akademie in Weyarn bei München sowie Head of Academic Development der University for Life and Peace/Myanmar (im Aufbau), die ökologische und spirituelle Belange verknüpft. Seine Ausbildung zum Yoga- und Zen-Lehrer erhielt er in Indien und Japan.

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Volker Gerhardt: Kulturelle Erneuerung - Der Beitrag der abendländischen Philosophie

Kultur ist die gesellschaftliche Form, die das menschliche Leben nicht nur zum Überleben, sondern zur Entfaltung seiner besten Kräfte benötigt. Ob die Kultur beides auch in Zukunft wird leisten können, erscheint fraglich. Volker Gerhardts programmatischer Entwurf zeigt, dass es die Aufgabe der Philosophie ist, Klarheit in die Verhältnisse zwischen den Leitbegriffen Natur, Kultur, Technik und Vernunft zu bringen. Seine These ist, dass es vornehmlich kulturelle Veränderungen sein müssen, durch die die drohende Katastrophe abgewendet werden kann. Und: Um wirksam zu sein, muss eine solche kulturelle Erneuerung eine weltweite Perspektive haben – unter Wahrung der nationalen, regionalen und lokalen Traditionen.

Der Autor:
Volker Gerhardt, Dr. phil., Drs. h.c., Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin, Mitglied und Vorsitzender zahlreicher Kommissionen. Letzte Veröffentlichungen: »Glauben und Wissen. Ein notwendiger Zusammenhang« (2016), »Humanität. Über den Geist der Menschheit« (2019).

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Aus den Büchern

Michael von Brück, Professor em. für Religionswissenschaft an der LMU in München (Foto: Thomas Doll/magenta33.de)

„Das westliche Fortschrittsdenken beruht auf einer besonderen Verbindung von apokalyptischen und utopischen Modellen.“

„Der ‚Jugendwahn‘ ist sozialer wie ökonomischer Unsinn, und gerade an diesem Punkt gibt es viel von asiatischen Kulturen zu lernen. Umgekehrt muss aber auch Jugendlichen und jungen Erwachsenen mehr Mitsprache und Entscheidungskompetenz in politischen Prozessen übertragen werden (Senkung des aktiven und passiven Wahlalters, Besetzung von Kommissionen usw.).“

„Alle ‚alten Kulturen‘ haben Rituale entwickelt, die ein Bewusstsein von generationenübergreifenden Zusammenhängen wachhalten, im Falle der Totenrituale sind auch die Generationen der Verstorbenen einbezogen. Solches Bewusstsein kann heute in Europa kaum noch auf metaphysischer Grundlage vermittelt werden, wohl aber durch Einsicht in die ökologische Interdependenz komplexer Systeme. Langfristigkeit und Bewusstsein von Komplexität bedingen einander.“

Eine neue ‚Grundrechenart‘ für alle Kulturen. Die buddhistische Einsicht des ‚Entstehens aller Erscheinungen in wechselseitiger Abhängigkeit‘ ist ein systemischer Gedanke, der eine ‚Grundrechenart‘ für alle kulturellen Aktivitäten der zukünftigen Menschheit werden könnte.
[…] Allerdings wird eine Veränderung des Denkens nicht genügen. Emotionen können motivierend sein, wenn sie durch Vernunft geleitet sind, und genau darum geht es.“

Zitate aus: Michael von Brück, Interkulturelles Ökologisches Manifest, Verlag Karl Alber, Freiburg 2020
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Volker Gerhardt, Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin (Foto: HU Berlin)

„Die kulturelle Erneuerung muss eine weltweite Perspektive unter Wahrung der nationalen, regionalen und lokalen Traditionen haben. Dieses Ziel ergibt sich aus den ökonomischen, verkehrstechnischen, kommunikativen und touristischen Gegebenheiten der modernen Welt.“

„Als Transformation der Natur ist die Kultur daran gebunden, deren evolutionäre Triebkraft auf dem erreichten Niveau und unter aktiver Mitwirkung des Menschen voranzutreiben. Das erklärt die inzwischen atemberaubende Dynamik kultureller Prozesse, die mit ihren Innovationen, Renaissancen, Revolutionen und Moden den Menschen gar nicht mehr zur Ruhe kommen lassen.“

„Im Augenblick besteht die Gefahr, dass der Mensch das Schreiben, Zeichnen und Malen mit der Hand verlernt. Wir wissen noch nicht, was das für den Menschen der Zukunft bedeutet. Aber wir wissen genug, um eine Erneuerung der Kultur darauf zu verpflichten, dass die ältesten Kulturtechniken, nämlich das eigenhändige Schreiben, Zeichnen und Malen, nicht verlernt werden.“

„Angesichts ihrer unbestrittenen Leistungen ist es eine Dummheit ersten Ranges, nur deshalb die ‚Krise der Demokratie‘ auszurufen, weil die verständlicherweise faszinierenden (und große demokratische Möglichkeiten bietenden) digitalen Medien neue Formen der Kommunikation zu schaffen versprechen, die den überlieferten Prozessen der Meinungsbildung widersprechen.“

Zitate aus: Volker Gerhardt, Kulturelle Erneuerung - Der Beitrag der abendländischen Philosophie, Verlag Karl Alber, Freiburg 2020
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Die Stiftung kulturelle Erneuerung

Stiftungsziele

Das Anliegen der Stiftung kulturelle Erneuerung ist, den historischen und sachbedingten Zusammenhang von Wissen, Kunst und Religion oder kurz: tragender Säulen menschlicher Kultur wieder deutlicher zu machen und dadurch dazu beizutragen, ihre Wirksamkeit zu stärken. Das kann und soll auf unterschiedliche Weise geschehen. Konkret: durch die Unterstützung, Organisation und Durchführung von wissenschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen sowie Forschungsvorhaben, die Gewährung von Stipendien, die Vergabe von Forschungsaufträgen, die Durchführung von Kolloquien, Symposien und Konferenzen sowie die Veröffentlichung von Publikationen.

Praktisch gewendet heißt das: Wissenschaftliche Projekte sollen mit ästhetisch/künstlerischen verbunden werden, außerdem soll ihre ethische bzw. religiöse Fundierung sichtbar werden.

Warum ist eine Erneuerung unserer Kultur notwendig?

Viele Probleme wie abnehmender gesellschaftlicher Zusammenhalt, Zivilisationskrankheiten oder die Zerstörung der Umwelt sind darauf zurückzuführen, dass das Mehren materiellen Wohlstands zu unserem höchsten Ziel geworden ist, dem alles andere untergeordnet ist. Diese Fokussierung lässt uns nicht nur kulturell verarmen. Sie macht uns auch besonders anfällig für wirtschaftliche und ökologische Krisen.

Deshalb möchte die Stiftung kulturelle Erneuerung

  • den Reichtum nicht-materieller Wohlstandsformen bewusst machen,
  • erfolgreiche Beispiele nachhaltiger Wirtschafts- und Lebensweisen verbreiten,
  • Psychische Ressourcen zur Förderung nachhaltiger Lebensstile stärken: Genussfähigkeit, Selbstakzeptanz, Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit, Sinngebung, Solidarität,
  • einen Bewusstseinswandel von der Konsum- zur Wohlstandsgesellschaft voranbringen,
  • über den gegenwärtigen Raubbau an Natur, Umwelt, Mensch und Gesellschaft aufklären,
  • sich mit Gleichgesinnten vernetzen, um ihre Aktivitäten wirkungsvoller zu machen.

Denn um zu überleben, braucht die Menschheit eine andere Kultur als die jetzt vorherrschende.

Kuratorium

Meinhard Miegel, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung kulturelle Erneuerung

„Wissenschaft, Kunst und Religion bilden in zukunftsfähigen Kulturen einen harmonischen Dreiklang. In der Kultur des Westens ist diese Harmonie gestört. Die Stiftung kulturelle Erneuerung will dazu beitragen, sie wieder herzustellen.“ 

Stefanie Wahl, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung kulturelle Erneuerung

„Unsere westliche Kultur ist nicht nachhaltig und daher nicht zukunftsfähig. Deshalb muss sie erneuert werden. An dieser Erneuerung können Wissenschaft, Kunst und Religion entscheidend mitwirken, da sie über das Individuum hinausweisen.“