Rezensiert

Kinderschutz braucht Kinderschützer

Erst seit dem Jahr 2000 haben Kinder in Deutschland ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Aber physische und psychische Gewalt, Vernachlässigung und sexueller Missbrauch an Kindern sind leider immer noch weit verbreitet. Oft bemerken es pädagogische Fachkräfte als Erste, wenn ein Kind gefährdet ist. Für sie hat Jörg Maywald ein kleines Handbuch geschrieben: Wie man gefährliche Situationen erkennt, was man tun kann und welche gesetzlichen und sonstigen Regeln zu beachten sind. Praktischerweise werden die wichtigsten Punkte am Ende eines jeden Kapitels kurz zusammengefasst. Der Ratgeber ist an Erzieher und Erzieherinnen in Kitas gerichtet, gilt aber zum größten Teil auch für Horte. Die Faustregel für den Umgang mit Kindesmissbrauch lautet: Niemals allein und überstürzt handeln.

Jörg Maywald: Kindeswohl in der Kita. Leitfaden für die pädagogische Praxis.
Verlag Herder, Freiburg 2019. 144 Seiten, 20,– Euro. ISBN 978-3-451-37933-8

Weg mit der rosaroten Brille

Eltern, die am Tisch eine Suppe aus Katzenfleisch schlürfen, ein Kind, das Ameisen mit einem Bleistift aufpiekst, ein Vater, der sein schreiendes Kind duscht und es dabei festhält – es sind heftige Situationen, die Ellen Duthie und Daniela Martagón konzipiert und auf Karten gezeichnet haben. Auf der Rückseite jeder Karte stehen Fragen zum Thema, etwa ob Hühnersuppe besser wäre, Ameisen Schmerz empfinden oder ob etwas weniger schrecklich ist, wenn es kürzer dauert. „Grausame Welt“ ist alles andere als ein klassisches Vorlesebuch. Es beleuchtet ein schwieriges Thema kindgerecht, regt dazu an, sich in Opfer und Täter hineinzuversetzen und darüber nachzudenken, wie grausam man selber (vielleicht manchmal) ist – aber eben auch, wie man das vermeiden könnte. Gut geeignet für Philosophierunden und Diskussionen in der Kindergruppe.

Ellen Duthie & Daniela Martagón: Grausame Welt? Nachdenken über Gut und Böse.
Moritz Verlag, Frankfurt am Main 2019. 20 Karten und ein Plakat, 17,95 Euro. ISBN 978-3-89565-375-9

Qualität im Ganztag

Dieses Buch war lange überfällig, gab es doch – anders als bei der Frühpädagogik – bisher wenig bis keine Fachliteratur, die sich mit Schulkindbetreuung beschäftigte. Als Auftakt zu einer neuen Reihe zum Thema Hort und Ganztag behandelt es in einem Rundumschlag die Grundlagen: Worüber sprechen wir eigentlich, wenn es um Ganztagsbetreuung geht, schließlich haben 16 Bundesländer unterschiedliche Standards und Schulgesetze. Was ist der Bildungsauftrag eines Horts, welche Konzepte gibt es, wie läuft das mit der Finanzierung? Was ist rechtlich zu beachten im Hinblick auf Datenschutz, Aufsichtspflicht und Haftung? Im zweiten Teil des Buches geht es um die gute und gesunde Entwicklung von Grundschulkindern und wie pädagogische Fachkräfte diese fördern können. Auch wichtige Themen wie Migration und Inklusion kommen zur Sprache. Der letzte Teil widmet sich Teamentwicklung und Personalführung. Alles ist leicht verständlich, immer unter Verweis auf den aktuellen Stand der Wissenschaft geschrieben und mit Beispielen unterfüttert. Herausgeberin Manja Plehn, Professorin für Pädagogik der Kindheit an der Hochschule Gera, hat ausgewiesene Experten versammelt, unter anderem die Entwicklungspsychologin Oggi Enderlein und den Jugendhilferechtler Reinhard Joachim Wabnitz. Natürlich können aufgrund der Vielfalt die Themen nur angerissen werden, aber die ausführlichen Literaturlisten nach jedem Kapitel laden zum Weiterlesen ein. Das neue Standardwerk für die Schulkindbetreuung.

Manja Plehn (Hrsg.): Qualität in Hort, Schulkindbetreuung und Ganztagsschule.
Verlag Herder, Freiburg 2019. 240 Seiten, 25,– Euro. ISBN 978-3-451-38020-4

Das Beste für das Kind

Schwierige Gespräche mit Eltern sind auch für erfahrene Fachkräfte eine Herausforderung. Wenn es richtig „knallt“, helfen theoretische Abhandlungen über gute Gesprächsführung wenig. Ein wenig Theorie, aber viel Praxis bietet das Buch von Kati Ahl. Sehr nützlich für Praktiker sind die vielen Beispiele aus dem Alltag einer Grundschule. Eine Fülle von möglichen Fragen und Formulierungen werden vorgestellt, um ein Gespräch gut führen zu können. Die Fähigkeit zu fragen – sich selbst und andere – ist wichtig für die Lösung von Konflikten. Kurz und prägnant spricht Ahl über Methoden, stellt Leitfäden und Checklisten für Gespräche auf. Ihr Leitstern ist die systemische Idee, die lösungs- und ressourcenorientiert arbeitet und auf Wertschätzung und Kooperation baut. Zur systemischen Überzeugung gehört es auch, auf das Positive in Menschen zu vertrauen. Behauptungen wie „Jonas ist faul“ werden daher vermieden, stattdessen als ein Prozess umschrieben, wie zum Beispiel: „Er braucht noch etwas Zeit.“ Gegliedert ist das Buch in drei Teile: Einsteigende lernen die Grundlagen der Gesprächsführung, Fortgeschrittene setzen sich mit mittelschweren Elterngesprächen auseinander. Die Kür sind dann die „Knacknüsse“ – die schweren Gespräche. Zum Schluss stellt die Autorin noch kurz Marte Meo vor, eine Beratungsmethode, die mit Videoanalyse arbeitet. Ermutigend ihr Fazit: Alle wollen das Beste für das Kind. Diese Kraft sollten wir nutzen.

Kati Ahl: Elterngespräche konstruktiv führen. Systemisches Handwerkszeug.
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019. 176 Seiten, 18,– Euro. ISBN 978-3-525-70274-1

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