Kinderlexikon: Was ist das eigentlich, wählen gehen?

Nur wer seine Stimme abgibt, kann mitbestimmen. Warum Wahlen wichtig sind und wie sie funktionieren.

Was ist das eigentlich, wählen gehen?
© Beate Autering, Berlin

Deutschland ist eine Demokratie. Das ist ein griechisches Wort und bedeutet „Herrschaft des Volkes“. In einer Demokratie gibt es also keinen Alleinherrscher, der über alle bestimmt. Stattdessen entscheiden Menschen gemeinsam über Dinge, die alle etwas angehen.

Wie funktioniert das? Durch Wahlen. Menschen wählen Politiker und Politikerinnen als Stellvertreter des Volkes. Die sollen die Meinungen der Bürger vertreten. Wenn viele Wähler und Wählerinnen ihre Stimme für einen Politiker abgeben, kommt dieser Politiker in das Parlament. So nennt man die Versammlungen der Volksvertreter, die Gesetze machen und Bestimmungen erlassen. Es gibt ein großes Parlament in Deutschland – den Deutschen Bundestag in Berlin – und ein Parlament für jedes Bundesland. Aber auch in jeder Stadt und in jedem Dorf werden Volksvertreter gewählt.

JEDE PARTEI HAT EINE ANDERE MEINUNG

Die meisten Politiker gehören einer bestimmten Partei an. So nennt man den Zusammenschluss von Menschen, die ähnliche politische Meinungen haben. In Parteien tauschen sie sich über ihre Ansichten aus. Sie entwickeln gemeinsam Ideen und Programme. Menschen haben unterschiedliche Meinungen und Interessen. Daher ist es für eine Demokratie wichtig, dass es mehrere unterschiedliche Parteien gibt.
Ein Beispiel: In einer Fabrik arbeiten viele Menschen. Bei der Produktion entstehen aber auch Gase, die für die Umwelt schädlich sind. Partei X fordert, die Fabrik sofort zu schließen. Das bedeutet aber, dass die Menschen ihre Arbeit verlieren. Partei Y ist daher gegen eine Schließung. Sie möchte lieber bessere Abgasfilter einbauen, auch wenn nicht ganz sicher ist, ob das hilft. Die Politiker von Partei Z wollen die Fabrik erst in zehn Jahren schließen. In der Zwischenzeit wollen sie für die Menschen andere Jobs finden. Jede Partei schlägt also für dasselbe Problem eine andere Lösung vor. Die Wählerinnen und Wähler entscheiden, welche sie am besten finden. Sie können mit ihrer Wahl ihre Meinung sagen.

Wahlen in Deutschland sind frei. Das bedeutet, niemand darf einen anderen dazu zwingen, eine bestimmte Partei oder Person zu wählen. Die Abstimmungen sind außerdem geheim. Nur die Wählerinnen und Wähler wissen, für wen sie sich entschieden haben. Niemand darf zuschauen oder überprüfen, wen ein anderer gewählt hat.
Jeder Deutsche ab 18 Jahren (und manchmal schon ab 16 Jahren) kann wählen gehen. Einige Tage vor einer Wahl bekommen alle diese Menschen einen Brief zugeschickt, der sie zur Wahl auffordert. Dann kann man entscheiden, ob man per Brief abstimmt oder am Tag der Wahl in das Wahllokal geht. So nennt man den Ort, an dem gewählt wird. Oft ist das eine Schule oder ein anderes öffentliches Gebäude.
Im Wahllokal gibt es Listen, in denen alle Wählerinnen und Wähler eingetragen sind. Man muss sich ausweisen und wird dann auf der Liste abgehakt. Erst dann bekommt man den Stimmzettel ausgehändigt. So wird sichergestellt, dass Menschen nicht mehrmals wählen. Auf dem Stimmzettel kreuzt man den Kandidaten oder die Partei an, die man am besten findet. Dann steckt man den Stimmzettel in einen Umschlag und wirft ihn in einen Kasten, die Wahlurne. Am Ende werden die Stimmen aller Wahllokale ausgezählt und zusammengerechnet.

Natürlich kann man sich auch entscheiden, nicht zu einer Wahl zu gehen. Dann verzichtet man aber auf seine Mitbestimmung und lässt nur die anderen darüber entscheiden, welche Politiker im Parlament sitzen. Wer nicht wählt, kann auch keinen Einfluss auf die künftigen Regeln nehmen.

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