SelbstzweifelIch bin nicht gut genug

Gelegentliche Unsicherheit ist völlig normal. Aber chronisch wirkt sie lähmend. Fünf Tipps gegen Selbstzweifel

Ich bin nicht gut genug
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Neulich war ich in einer Grundschule und habe mir die frisch renovierten Räumlichkeiten für den Nachmittagsbereich angesehen, als mir die Leiterin des offenen Ganztags entgegenkam. Vielleicht war es ihr gar nicht bewusst, aber sie drückte in jedem zweiten Satz Zweifel darüber aus, ob sich nach dem Umbau die Bedingungen für die Kinder verbessert hätten, die Raumaufteilung logisch durchdacht sei, kurz, ob sie alles richtig gemacht habe. Als sie meine Meinung dazu hören wollte, spielte ich den Ball zurück und fragte, wie sie sich diese Frage selbst beantworten würde. Ich fand ihre Begründung stimmig, klug und angemessen. Warum nur zweifelte sie an sich selbst?

Es ist interessant, dass von Selbstzweifeln vor allem die Menschen betroffen sind, die eher überdurchschnittliche Leistungen erbringen. Dahinter steckt oft der Wille, immer sein Bestes zu geben. Das kann enorm motivieren und treibt auch an. Aber insbesondere bei Leitungskräften führt es manchmal auch in eine Abwärtsspirale. Denn egal, was diese Menschen auch erreichen, es ist nie genug. Mehr noch: Der permanente innere Kritiker führt dazu, dass sich die Zweifel an sich selbst noch verstärken. Das führt dann auf Dauer zur eigenen Entmutigung.

Plagen Sie vielleicht auch häufig Fragen wie:

  • Komme ich bei meinen Kolleginnen/den Eltern/ den Lehrern/dem Träger gut an?
  • Wirke ich kompetent?
  • Bin ich gut genug für diese Schule/ den OGS-Bereich/die Kinder?
  • Schaffe ich es, allen gerecht zu werden?
  • Werde ich ernst genommen?
  • Was denken die andern von mir?

Es ist normal, dass Menschen versuchen, möglichst wenig anzuecken und in der Reaktion anderer nach Hinweisen zu suchen, alles richtig zu machen, gemocht und akzeptiert zu werden. Soziale Anerkennung und das Gefühl dazuzugehören ist ein Grundbedürfnis, ohne das kein Mensch existieren kann. Das Kernproblem der Selbstzweifler aber ist: Die Betroffene ist nicht nur selbstkritischer als andere. Sie schöpft ihr Selbstvertrauen überhaupt nicht mehr aus sich selbst heraus und macht sich damit abhängig von der Meinung und Einschätzung anderer Mitmenschen.

Stoppen Sie diesen Abwärtstrend, falls Sie ihn bei sich gerade erkennen. Die folgenden fünf Tipps lege ich Ihnen dazu ans Herz:

Tipp 1: Führen Sie eine Art Tagebuch, in dem Sie für sich notieren, was Sie bereits geschafft haben. Halten Sie sich regelmäßig vor Augen, was Sie alles leisten und dass Sie Erfolge wiederholen können – und damit grundsätzlich das Talent dazu besitzen.

Tipp 2: Lernen Sie zwischen Gefühlen und Fakten genau zu unterscheiden. Jeder fühlt sich mal mehr oder weniger unfähig oder dumm. Aber nur, weil man sich so fühlt, heißt das nicht, dass man es auch in Wirklichkeit ist. Oft machen wir uns kleiner, als wir sind.

Tipp 3: Sprechen Sie mit Freunden, anderen OGS-Fachkräften oder einem Coach über Ihre Ängste. Sich Hilfe zu suchen, ist keine Schande und macht auf Dauer stark und unabhängig.

Tipp 4: Visualisieren Sie sich Ihren Erfolg vorab. Professionelle Sportler arbeiten auch mit Imagination. Wenn Sie sich vorstellen, wie Sie in einem herausfordernden Elterngespräch Fragen und Vorwürfe klug parieren können, erleben Sie sich schon im Vorfeld des Gesprächs als kompetent.

Tipp 5: Entwickeln Sie ein besseres Verhältnis zu Ihren Fehlern. Sie gehören zum Leben dazu und dürfen sein. Betrachten Sie Fehler nicht als persönliches Scheitern, sondern als Lernprozess. Nur wer Fehler macht, diese erkennt und dazu steht, kann sich anpassen und verändern. Zudem werden wir so auch für die Kinder zu authentischen Vorbildern.

Sicherlich lassen sich nicht alle Selbstzweifel sofort abstreifen und über Bord schmeißen. Festgefahrene Denk- und Gefühlsmuster zu ändern, ist nicht leicht. Ein erster wichtiger Schritt ist, Wohlwollen gegenüber sich selbst zu entwickeln und die eigene Ermutigung. Nur wer zu sich selber steht, kann den inneren Kritiker in die Schranken weisen. Der einfache Satz: „Ich genüge, so wie ich bin“, könnte ein guter Sinnspruch für den Alltag sein.

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