Spielräume nutzn

Der therapeutische Nutzen ist umstritten und die Nebenwirkungen sind enorm – dieses Fazit ziehen die Fachautoren Gunild Schulz-Gade und Wendelin Grimm über Hausaufgaben. Hätten diese ähnlich einem Medikament einen Beipackzettel, gäbe es sie wahrscheinlich nicht mehr, so die beiden Verfasser eines Buches über Übungs- und Lernzeiten. Landauf, landab haben sie Ganztagsschulen besucht, die neue Wege des Lernens eingeschlagen und Hausaufgaben durch andere Übungsformen ersetzt haben. Ein Beispiel lesen Sie in dieser Ausgabe ab Seite 29.

Dennoch: An vielen offenen Ganztagsschulen bestimmt die klassische „Hausaufgaben- Denke“ noch den Tag. Zwar ändert sich hier und da für Lehrer der Blick – sie geben weniger auf, seitdem sie selbst diese Aufgaben am Nachmittag betreuen, berichtet ein Schulleiter aus dem Saarland (Seite 28). Aber trotzdem brüten Schülerinnen und Schüler vielerorts zu fester Uhrzeit gemeinsam über den gleichen Aufgaben – eine Didaktik, die man heute in Frage stellen muss (siehe Doppelinterview ab Seite 12). Wie viel Konfliktpotenzial in der Bearbeitung von solchen „Aufgaben von der Stange“ liegt, erleben insbesondere die pädagogischen Fachkräfte hautnah.

Solange es klassische Haus- oder Schulaufgaben gibt, ist ihre möglichst sinnvolle Betreuung immer auch eine Frage der Ressourcen. Sie muss an jeder Ganztagsschule mit Lehrerschaft und pädagogischen Fachkräften individuell beantwortet werden. Viele Schulen sind auf dem Weg der Flexibilisierung und orientieren sich stärker an den Bedürfnissen der Kinder. Die gute Nachricht: Es braucht nicht gleich die gebundene Ganztagsschule, um individuellen Neigungen von Kindern nähernzukommen, wie Dr. Elke Kaufmann zeigt (Seite 18). Auch offene Ganztagsschulen haben Spielräume.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Hausaufgaben gemacht? Schreiben Sie mir gern.

Ihre

Kirsten Wörnle, Chefredakteurin

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