PartizipationSchüler an Bord

Eltern und Pädagogen sollten nicht über die Köpfe der Schüler hinweg zusammenarbeiten. Denn sonst mauern die Kinder und Jugendlichen schlimmstenfalls.

In einem bayerischen Modellprojekt der Jahre 2006/2007 nahm die Ablehnung engerer Kontakte zwischen Eltern und Lehrkräften bei den Schülerinnen und Schülern an zehn von elf Schulen in dem Maße zu, wie die Schulen ihre Elternarbeit intensivierten. An der elften Schule hingegen wuchs die Akzeptanz solcher Kontakte. Bezeichnenderweise war das diejenige Einrichtung, die anstelle der üblichen Eltern-Lehrer-Gespräche vermehrt Eltern-Lehrer-Schüler-Gespräche durchgeführt hatte. Das zeigt, dass Schülerinnen und Schüler Elternarbeit nur unterstützen, wenn sie einbezogen werden, nicht aber, wenn ihre Eltern und Lehrkräfte über ihre Köpfe hinweg kooperieren. Wo das gleichwohl geschieht, läuft auch eine ansonsten zeitgemäß konzipierte Partnerschaft zwischen Schule und Elternhaus große Gefahr, am Widerstand der Kinder und Jugendlichen zu scheitern. Wie bezieht man Schüler als Partner mit ein? Eine Übersicht.

Entwicklungsgespräche

Das Gespräch zwischen Eltern, Pädagogen und Schülern ist kein Selbstläufer. Nachhaltigen Erfolg erzielt man damit nur, wenn weniger über die Schüler als mit den Schülern gesprochen wird. Wichtig ist beispielsweise, die Kinder oder Jugendlichen unmittelbar anzusprechen, Anschuldigungen und Vorwürfe zu vermeiden, konstruktiv auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Bewährt hat sich die „1 zu 4 Regel“, welche besagt, dass nicht mehr als 20 Prozent der Gesprächsanteile der Beschreibung von Schwierigkeiten, aber mindestens 80 Prozent dem Finden von Lösungen dienen sollen.

Besonders jüngere Kinder sind rasch überfordert, wenn sie zugleich Gesprächspartner und Gesprächsgegenstand sein sollen. Ein gutes Mittel, um Schüler ein Stück weit aus dieser unguten Doppelrolle herausholen, sind Gespräche, die als Portfoliokonferenzen gestaltet sind: Es steht dann nicht mehr das Kind als Person, sondern sein Portfolio im Mittelpunkt. Die Lernentwicklung ist darin gewissermaßen objektiviert. Zugleich bestehen gute Möglichkeiten, auf Stärken und Schwächen einzugehen.

Thematisierung im Unterricht

Man sollte Schülern Gelegenheit geben, im Gespräch und durch bildnerische Gestaltung ihre Erfahrungen, Meinungen, Einstellungen und Gefühle auszudrücken: Wie erleben sie Eltern-Lehrer-Kontakte, Hospitation von Eltern im Unterricht, Schulvereinbarungen? Welche Unterstützung durch Eltern wünschen sie sich bei Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen und welche nicht? Welche Elternunterstützung ist sinnvoll? Was müssen die Eltern darüber wissen, wie sich ihr Kind in der Schule verhält und wie es ihm in der Schule geht? Was sollten Lehrer oder pädagogische Fachkräfte nicht unbedingt ausplaudern? Was müssen sie darüber wissen, wie ihre Schüler zu Hause sind? Was geht sie nichts an?

Gemeinsame Veranstaltungen für Lehrkräfte, Eltern und Schüler

Elternabende sollten wenigstens hin und wieder mit Beteiligung der Schüler durchgeführ t werden. Lehrkräfte, Eltern und Schüler können in Projekten und Arbeitsgemeinschaften zusammenarbeiten oder gemeinsame Fahrten und Exkursionen unternehmen.

Schüler als Verantwortungsvolle Informationsvermittler

70 Prozent der Grundschüler gehen davon aus, dass ihre Eltern von ihnen sowieso alles erfahren, was sie über die Schule wissen müssen. Bei den Sekundarschülern sind es sogar 84 Prozent (Sacher 2009, S. 49). Wie auch immer sich das in Wahrheit verhalten mag – daran anknüpfend kann man versuchen den Kindern die Rolle von Informanten, die sie ohnehin einnehmen, offiziell zuzuweisen und sie auszugestalten: So kann mit ihnen besprochen werden, welche Informationen für Eltern oder auch Pädagogen wichtig sind und welche nicht. Darüber hinaus können verlässliche Informationswege aufgebaut werden, etwa Kommunikationsspalten in Hausaufgabenheften oder Familien- und Schulportfolios, in welchen die Schüler ihre häusliche und schulische Umgebung darstellen.

Schulvereinbarungen, Schul-, Erziehungs- und Lernverträge

Schulvereinbarungen, Schul-, Erziehungs- und Lernverträge sollten unbedingt auch zusammen mit den Schülern erarbeitet werden, und diese sind ausdrücklich als Vertragspartner einzubeziehen.

Pflege regelmäßiger Kontakte zwischen Eltern- und Schülervertretern

Elternvertreter sind in der Regel überfordert, das Befinden und die Bedürfnisse der Schüler umfassend und zutreffend einzuschätzen. Nur ein regelmäßiger Austausch mit den Schülervertretern hilft blinde Flecken und einseitige Sichtweisen zu vermeiden.

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