Kommunikation am ArbeitsplatzNeu im Team

Was macht gute Kommunikation aus? Und wie befördert sie das Miteinander am Arbeitplatz? Kommunikationstrainerin Barbara Berckhan gibt in klasseKinder! regelmäßig Tipps.

Stellen Sie sich vor, ich wäre die Neue. Ich fange an, bei Ihnen zu arbeiten. Und heute ist der Tag, an dem ich alles kennenlerne. Jetzt werden die Weichen gestellt. Hier beginnt sie, die gute Zusammenarbeit. Ja, das ist ein wichtiger Tag.
Also wenn ich bei Ihnen die Neue wäre, würde ich mir wünschen, dass mich jemand herumführt. Dieser Rundgangsleiter – das könnte natürlich auch eine Leiterin sein – sollte sich ein wenig Zeit nehmen. Ich wünsche mir einen motivierten Ansprechpartner: jemanden, dem es immer noch Spaß macht, dort zu arbeiten. Wäre doch sehr schade, wenn mich ein mürrischer Kollege empfängt, der sofort durchblicken lässt, dass er den ganzen Laden lieber heute als morgen verlassen möchte. So jemand würde mich nur runterziehen und entmutigen. Meinem Rundgangsleiter dürfen gern ein paar Funken Engagement aus dem Knopfloch springen. Ich will auch hören, dass meine Arbeit hier wichtig ist und gebraucht wird. Das wäre der passende Motivationsschub für mich.

Am ersten Tag muss ich nicht über jedes Detail aufgeklärt werden. Wo im Keller der Altpapiercontainer steht, finde ich später allein raus. Aber zum Einstieg hätte ich gern gewusst, wo mein Arbeitsraum ist, wo sich das WC befindet und wo ich einen Kaffee bekommen kann. Vielleicht auch noch, wo ich den Schlüssel für den Materialschrank finde und wo der nächste Verbandskasten steht. Diese Informationen möchte ich live erleben. Also nicht nur Gerede am Tisch, sondern tatsächlich im Gebäude herumgehen und dabei die Türen und Schränke öffnen. Das, was ich tatsächlich mit eigenen Augen gesehen habe und was ich in der Hand hatte, kann ich mir viel besser merken als bloße Worte.

Das ist die Krux bei so einem Einführungsrundgang: Da ich neu bin, will ich mir so viel wie möglich einprägen. Aber wie bei jedem Menschen setzt mir mein Gedächtnis eine Grenze. Ich kann mir unmöglich die Namen aller Kollegen merken. Und wer an welchem Wochentag, zu welcher Uhrzeit, in welchem Raum arbeitet – auch das sind zu viele Informationen. Wenn ich die Neue wäre, würde ich mir wünschen, dass mein Rundgangsleiter die Informationen filtert: Das ist das Wichtige. Der Rest kommt später, mit der Zeit, ganz von selbst. Vielleicht gibt es zusätzlich noch ein Info-Blatt mit den wichtigsten Daten, Telefonnummern und Sicherheitshinweisen. Das erleichtert vieles. Und meine Fragen sind jederzeit erlaubt und erwünscht.

Ja, ich hätte da noch ein paar Fragen: Duzt man sich hier oder wird sich gesiezt? Welche Namen lerne ich jetzt zuerst? Vor- oder Nachnamen? Und überhaupt die Kollegen. Ich bin ganz aufmerksam, wenn wir jemanden treffen. Wie werde ich vorgestellt und begrüßt? Wie geht man hier miteinander um? Wird mir Mut zugesprochen? Oder sehe ich einen Anflug von Mitleid in den Gesichtern? Ja, das ist gewissermaßen auch eine kleine Prüfung – auf beiden Seiten. Ich werde in Augenschein genommen. Wer mich jetzt kennenlernt, der will auch herausfinden, wie ich drauf bin, wie man mit mir auskommen kann. Umgekehrt mache ich das auch: Ich habe meine Antennen ausgefahren und versuche die Leute einzuschätzen.

Spätestens jetzt schaue ich meinen Rundgangsleiter an und frage mich im Stillen: Wie ist hier das Betriebsklima? Arbeiten alle im Team zusammen oder wurschtelt hier jeder vor sich hin? Weil ich neu bin, habe ich noch einen unvoreingenommenen Blick. Ich will mir ein eigenes Bild davon machen, wie hier der Hase läuft.

Ich bin dankbar, dass mein Rundgangsleiter mir alles geduldig erklärt. Aber einiges will ich auch nicht wissen. Ich will keine Tratsch- und Klatschgeschichten hören. Wer mit wem im Clinch liegt, wer versucht sich beim Chef einzuschleimen und wer nicht alle Tassen im Schrank hat – nein, durch diese dunkle Brille will ich nicht gucken. Wenn nötig, bilde ich mir selbst eine Meinung – später.

Jetzt möchte ich auch mal ausatmen. Die Eindrücke ein wenig sacken lassen. Und die Dinge ansprechen, die ich noch unbedingt wissen will. Wenn mein Rundgangsleiter seinen Job gut gemacht hat, bin ich angekommen. Und ich kann diese zwei wichtigen Worte nicht nur hören, ich kann sie sogar spüren: Herzlich willkommen!

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