Rottendorf-LectureEmotionen und Normativität

Abstract

Von einem normativen und epistemologischen Standpunkt aus sollten wir nicht unbedingt eine Politik voller positiver Emotionen anstreben. Die traditionelle liberale Theorie der Öffentlichkeit als vernunftgeleitete Politik versetzt die Moralphilosophin in eine banale Lage: Sie muss ständig darüber klagen, dass Politik zu emotional oder zu negativ ist. Stattdessen behaupte ich, dass 1) rationale Politik von Emotionen durchdrungen ist, dass 2) wir Modelle der individuellen psychischen und emotionalen Gesundheit nicht auf Kollektive anwenden können, und dass 3) wir nicht im Voraus wissen können, wie sich negative und positive Emotionen in einem bestimmten historischen Kontext auswirken werden. Ressentiments können sowohl zu revolutionären Momenten als auch zu reaktionären Forderungen nach einer Rückkehr zum status quo führen. (So verhielt es sich beispielsweise in Frankreich mit der populistischen Bewegung des Boulangismus.) Es ist unmöglich, das Leben der individuellen Psyche zu regulieren, indem wir negative Emotionen aus ihr verbannen. Genauso wenig sind wir in der Lage, gute oder schlechte Emotionen für demokratische Zwecke gesetzlich zu regeln

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