Zwischen Natur und SozialisierungJürgen Habermas und die Begründung des moralischen Status des Embryos

Abstract

Bei der Frage nach dem moralischen Status des Embryos handelt es sich keineswegs um ein Detailproblem der Bioethik oder Rechtsphilosophie. Vielmehr markiert sie einen Brennpunkt, anhand dessen sich paradigmatisch eine ganze Reihe von normativen Fragen diskutieren lässt, allen voran die Begründung der menschlichen Würde. Der vorliegende Beitrag widmet sich mit Jürgen Habermas einem der schillerndsten Akteure in dieser Debatte. Habermas, der in diesem Zusammenhang einer konservativen Position anhängt und sich für den Erhalt des Embryonenschutzgesetzes ausspricht, begründet den moralischen Status des Embryos unter Verweis auf dessen bereits vorgeburtliche Sozialisierung. Dazu stützt Habermas sich in weiten Teilen seiner Argumentation auf den dänischen Philosophen und Theologen Søren Kierkegaard. Entsprechend ist der vorliegende Beitrag in einem Dreischritt aufgebaut: In einem ersten Schritt soll die der Debatte zugrundeliegende Fragestellung transparent gemacht werden (1.), sodann gilt es in einem zweiten Schritt das Argument von Habermas entlang des Textes auszubuchstabieren und dessen an Kierkegaard angelehnte Prämissen am Original zu überprüfen (2.), ehe in einem dritten Schritt das Argument kritisch evaluiert wird (3.).

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