Smart Technology in der Pflege als Bedrohung von Autonomie?Grundzüge eines technikgestützten Modells rationaler Selbstbestimmung

Abstract

In diesem Beitrag verfolgen wir das Ziel, das positive Potenzial von Pflege-Assistenzsystemen gegen den Einwand zu verteidigen, ihr Einsatz würde die Autonomie der Pflegebedürftigen systematisch verletzen. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob es selbstbestimmte Fremdbestimmung durch intelligente Technologie geben kann. Menschen mit altersbedingten kognitiven Einschränkungen fällt es zusehends schwer, selbstbestimmte Entscheidungen über die eigene Lebensführung zu treffen. Eine Möglichkeit ihre Situation zu verbessern, ohne sie aus ihrer häuslichen Umgebung zu reißen, besteht darin, ihnen durch intelligente technische Systeme in ihrem Haushalt einen Weg zu eröffnen, die Kontrolle über die eigene Lebensführung zu behalten. Allerdings besteht dabei die Gefahr, dass die Autonomie der Nutzer auf moralisch unzulässige Weise verletzt wird. Demgegenüber argumentieren wir im vorliegenden Beitrag dafür, dass die rationale Selbstbestimmung der Betroffenen durch technologische Einflüsse nicht per se in Frage gestellt wird. Zwar kann es auch problematische Formen der Beeinflussung geben, aber nicht jeder Eingriff in eine Entscheidungssituation stellt schon eine unzulässige Autonomieverletzung dar. Unsere Position knüpft dabei an das gängige medizinethische Prinzip der Autorisierung durch aufgeklärte Einwilligung an, geht jedoch über dieses hinaus. Und zwar gilt es, so unsere zentrale These, die technische Einflussnahme auf den Nutzer durch die selbstbestimmten Entscheidungen der vormals gesunden Patienten zu autorisieren. Greift man auf autobiographische Erinnerungen der erkrankten Benutzer zurück, die an ihre einst autonom getroffenen Entscheidungen anknüpfen, können sie auf dieser Grundlage eigene Handlungsziele entwickeln. Die Nutzer behalten so ihre Wahlfreiheit und werden durch das technische System nicht bevormundet. Auf diesem Weg bleibt das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen gewahrt.

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