Extraterritoriale Jurisdiktion und Tierarbeit – Perspektiven einer globalisierten Tierethik

Abstract

Globalisierung interessiert uns in erster Linie, wenn mit ihr Vor- oder Nachteile für menschliche Gesellschaften verbunden sind, sei es preiswerte Produktion, Investmentdiversifizierung oder Umweltverschmutzung. Entsprechend polarisiert die wachsende globale Ausdehnung der Massentierhaltung, Tierversuchsforschung oder Unterhaltungsindustrie die Politik auch weniger als es Themen wie Wirtschaft oder Finanzwachstum tun. Mit der zunehmenden Sensibilisierung der Bevölkerung für die Anliegen der Tiere steigt aber auch das Bewusstsein für das ubiquitäre Tierleid auf globaler Ebene. Sowohl der Tierrechtsaktivismus als auch die Tierethik haben bisher noch keine befriedigenden Antworten auf globale Dimensionen unseres Umgangs mit dem Tier gefunden. Die Ethik beschränkt sich in ihren Analysen übermäßig auf tierethische Herausforderungen auf nationaler Ebene und verpasst es dadurch, auf die weitverbreitete Auffassung zu reagieren, tierschutzrechtliche Reformen wären im Lichte drohender Auslagerungen untunlich, geradezu schädlich, sowohl für Menschen als auch für Tiere. Der vorliegende Artikel argumentiert, dass die Rechtswissenschaft im Hinblick auf diese Fragen als Ort der Neuverhandlung wirken kann, indem sie den wachsenden Herausforderungen des globalisierten »animal-industrial complex« mit innovativen Lösungsansätzen begegnet. Aus den vielfältigen Möglichkeiten, die die Rechtswissenschaft bereithält, stechen zwei neuartige Konzepte hervor: die extraterritoriale Anwendung nationalen Tierschutzrechts und die Forderung nach Arbeitnehmerrechten für Tiere. Beide Ansätze verstehen sich als Erweiterung etablierter Rechtskonzepte, setzen am bestehenden gesellschaftlichen Umgang mit Tieren an und haben das Potenzial, als zukunftsträchtige Diskurspunkte der Tierethik und -politik in globaler Perspektive aufzutreten.

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