Was weiß ein Pragmatist schon von Idealen?Zweifel, Hoffnung und (globale) Solidarität

Abstract

Mein Beitrag begegnet der Sorge, dass für „Ideale“ in der pragmatistischen Theoriebildung kein Platz wäre, mit dem Hinweis darauf, dass die Frage, wie wir überhaupt handlungsleitendes Wissen von Idealen haben können, klärungsbedürftig ist. Statt nach dem Motto „Umso schlimmer für die Wirklichkeit“ auf hehren Idealen zu insistieren, stehen der enge Zusammenhang von Denken und Handeln einerseits und andererseits die wesentlich soziale Erkenntnistheorie im Pragmatismus dafür, Ideale kontextabhängig zu bestimmen und damit überhaupt erst verständlich, konkret und wirkmächtig zu machen. Zentral ist dabei die Rolle affektiver Zustände, insbesondere des ‚Zweifels‘ und der ‚Hoffnung‘. Diesen Kerneinsichten des klassischen Pragmatismus gehe ich im ersten und zweiten Teil des Artikels nach. Im dritten Teil nähere ich mich vor diesem Hintergrund dem Begriff der (globalen) ‚Solidarität‘. Aufgrund des Gemeinschaftsbezuges pragmatistischer Forschung fügt sich dieser zunächst vergleichsweise natürlich in die Theoriebildung ein; allerdings ist eine Entscheidung erforderlich, ob der Erkenntnis oder der Gemeinschaft der Vorrang zu geben ist: ob wir unsere Hoffnung also auf jede kontingente Gemeinschaft setzen sollten oder lediglich auf jene, die bestimmte intellektuelle Tugenden fördert und würdigt, zu denen insbesondere Selbstkritik und Kritik als moralische und politische Formen des Zweifels zählen.

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