Bußgottesdienst

Dem II. Vatikanischen Konzil gelang es, neue Aspekte des Bußsakraments hervorzuheben. So betont es, dass nicht nur die Sündenvergebung durch Gott eine Rolle spielt, sondern auch eine soziale Komponente hinzukommt: Der Sünder wird wieder in die Gemeinde aufgenommen, die ihn ihrerseits durch Gebete auf seinem Weg begleiten kann. Diese gemeinschaftliche Perspektive kommt in der Feier von Bußgottesdiensten zum Ausdruck. Die Gemeinden sollen solche Gottesdienste besonders in der Vorbereitung auf Ostern und Weihnachten anbieten. Durch deren Feier wird deutlich, dass nicht nur der einzelne Gläubige Schuld auf sich geladen hat, sondern auch die Gemeinschaft. Das Verhalten eines Einzelnen steht nie alleine, sondern ist immer in einen größeren Zusammenhang eingebettet.

In einem Bußgottesdienst kann sich der Gläubige leichter mit der eigenen Schuld auseinandersetzen, indem er sich dem schwierigen Thema Schuld öffnet - ein wichtiger erster Schritt zur Vergebung. Die Predigt kann hier Anstöße geben, das eigene Gewissen zu erforschen und zu schärfen. Bußgottesdienste sollen die Einzelbeichte nicht ersetzen, sie können aber darauf vorbereiten und hinführen, denn der erste Schritt, die Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld, ist im Mitfeiern bereits getan. Bußgottesdienst und Einzelbeichte sollen sich ergänzen und stehen so in einem inneren Zusammenhang. Sie haben einen eigenen Wert, weshalb in der Regel nicht die Spendung des Bußsakraments damit verbunden ist. Mögliche Unklarheiten bezüglich des Unterschiedes zwischen Bußgottesdienst und Beichte, die sehr leicht aufkommen können, sollen von vornherein vermieden werden.

Janine Kreber, Trier

Wegen der Zusammenlegung unserer zwei Gemeinden mit drei weiteren werden künftig die traditionellen Bußgottesdienste vor Allerheiligen, im Advent und in der Fastenzeit nur noch von Laien geleitet.. Jetzt gibt es Leute, die sagen, dass sie dann nicht mehr kommen, weil das ja nicht „gelte". Was kann man dazu sagen?

Auch wenn ein Priester einen Bußgottesdienst leitet, gibt es keine sakramentale Lossprechung, außer wenn mit ihm die Einzelbeichte verbunden wird. Das beutet: Vergebung und Versöhnung geschieht aufgrund der persönlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld, der Reue sowie des fürbittenden Gebets füreinander, das insbesondere im Gebet des Leiters / der Leiterin ausgesprochen wird. Entscheidend ist also das innere Engagement und die Andacht der Beteiligten, unabhängig davon, welchen Stand jemand in der Kirche hat: ob er Priester, Diakon oder einfacher Laie ist. Frauen und Männer, die als Laien Gottesdienste leiten, versehen ihre Aufgabe in der Regel mit sehr großem Ernst und aus ganzem Herzen. Sie wissen, dass ihnen etwas Großes anvertraut ist, wenn sie im Namen ihrer Schwestern und Brüder ein Gebet sprechen oder wenn sie ihnen Gottes heilendes Wort zusprechen dürfen. Darum ist ein solcher Gottesdienst sicher nicht weniger wert als einer, der von einem Amtsträger geleitet wird. Hinzuweisen ist aber vor allem auch darauf, dass es von jedem und jeder Einzelnen selbst abhängt, ob und wieweit er oder sie sich mit Gott versöhnt bzw. sich von ihm versöhnen lässt.

Eduard Nagel

Bei Exerzitien habe ich einen Bußgottesdienst erlebt, bei dem die Einzelnen auch beichten gehen konnten. Ist so etwas auch auf Gemeindeebene möglich? N.P.

Die Verbindung eines Bußgottesdienstes mit der Feier des Bußsakramentes ist bereits in dem Rituale-Teil „Die Feier der Buße“ von 1974 unter dem Titel „Gemeinschaftliche Feier der Versöhnung mit Bekenntnis und Lossprechung der einzelnen“ vorgesehen. In der allgemeinen Krise, in die das Bußsakrament gerade damals geriet, gelangte diese neue Form jedoch kaum in das allgemeine Bewusstsein und wird erst heute als etwas Neues entdeckt.

Der Gottesdienst hat die Form eines selbständigen Wortgottesdienstes. Nach dem Allgemeinen Schuldbekenntnis können die Teilnehmenden bei verschiedenen Beichtvätern in Beichtzimmern und Beichtstühlen oder auch an geeigneten, offen einsehbaren Stellen im Kirchenraum ihr Sündenbekenntnis ablegen und die Lossprechung empfangen. Die Feier schließt mit einem gemeinsamen Lobpreis der Barmherzigkeit Gottes.

Redaktion