Liebe Leserinnen und Leser!21 / 2018

Für den Zeitraum um den 18. November dieses Jahres herum hat die Deutsche Bischofskonferenz einen „Tag des Gebetes und der Buße für die Opfer des sexuellen Missbrauchs“ angekündigt (weitere Informationen werden folgen). Diese Initiative ist in Anbetracht des monströsen Ausmaßes an Missbrauchsfällen, die das Vertrauen zwischen Kirche und Gesellschaft weltweit erschüttert haben und noch weiterhin erschüttern werden, mehr als angemessen und sollte dementsprechend an vielen Orten aufgegriffen werden.

Doch auch über diesen Tag hinaus muss dem Thema „Missbrauch“ künftig in der Liturgie ein größerer Stellenwert zukommen: in Form des Gebets für die Menschen, denen innerhalb der Gemeinschaft der Kirche an Leib und Seele tiefe Wunden zugefügt wurden; in Form des Gebets zum Heiligen Geist um die Erneuerung der Kirche; in Form von authentischen und gerne auch öffentlichkeitswirksamen Riten der Buße und der Demut von kirchlichen Amtsträgern – und letztlich auch im Kampf gegen eine bestimmte Geisteshaltung, die den geweihten Amtsträger weit über das „gemeine Volk“ erhebt und die Papst Franziskus „Klerikalismus“ nennt.

Eine liturgische Praxis, die einen überholten Standesdünkel befördert und unheilige Machtstrukturen zementiert, stellt sich nicht nur theologisch gegen die Volk-Gottes-Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils, sondern düngt ganz konkret den Boden, auf dem die Gefahr des physischen und psychischen Missbrauchs gedeihen kann.

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