Liebe Leserin, lieber Leser!

Wenn ich auf letzte Zeit zurückschaue, so erinnere mich an viele schöne Begegnungen, vor allem auf dem Katholikentag in Münster. Am tiefsten hat mich dort eine Podiumsdiskussion berührt: Thema war der Umgang mit Krisen. Da gaben drei Menschen ein bewegendes Zeugnis, wie sie schmerzhafte Erfahrungen in ihrem Leben aus dem Glauben heraus bewältigt haben. Der ehemalige Vorsitzende der Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch erzählte von der Vertreibung der Donauschwaben am Ende des zweiten Weltkriegs. Sein Bruder wurde damals vor seinen Augen erschossen. Er selbst kam mit seiner Großmutter in ein Todeslager, aus dem sie fliehen konnten. Eine Mutter, die ihre Tochter beim Amoklauf von Winnenden verlor, berichtete, wie danach erst einmal die Welt für sie untergegangen ist, wie sie dann aber über den Amokläufer nachdachte und sich ihre Wut in Vergebung wandelte. Und Thomas Middelhoff, der früher so erfolgreiche Manager, der dann im Gefängnis landete, erzählte, dass diese Zeit für ihn wie Exerzitien war, in denen er mit seinem verschütteten Glauben in Berührung kam. Bei allen dreien spürte man, wie der Glaube ihnen geholfen hat, schmerzhafte Erfahrungen zu verarbeiten, wieder einen Neuanfang möglich machte. So wünsche ich Ihnen, dass auch Ihnen der Glaube hilft, Ihr Leben zu meistern, auch mit manchmal aussichtslos scheinenden Krisen, in die wir geraten können. Und wenn Ihr Glaube nicht so stark ist: Stellen Sie sich vor, dass Sie vom Glauben anderer getragen sind: vom Glauben Ihrer Eltern und Großeltern, vom Glauben der Christen, die jetzt neben Ihnen stehen und stellvertretend für Sie glauben und hoff en, dass Gott auch Ihre Situation wandelt in die Erfahrung von Heilung und Befreiung.

Ihr

Pater Anselm Grün

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