Liebe Leserin, lieber Leser!

Im Juni feiern wir das Fest Johannes des Täufers. Es ist auch das Fest der Sonnenwende. Die Sonne steht drei Tage vorher auf ihrem Höhepunkt, und die Tage werden wieder kürzer. Die christliche Tradition hat dieses Bild der Sonnenwende mit dem Wort des Täufers verbunden, das uns das Johannesevangelium überliefert: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3,30) Dieses Wort ist für mich wie ein Schlüssel meines Lebens geworden. Bei allem, was ich tue oder denke, geht es nicht darum, mich in den Mittelpunkt zu stellen, sondern hinzuweisen auf etwas, das größer ist als ich: auf Gott. Ziel meines Lebens ist, immer durchlässiger zu werden für Jesus Christus. Damit das gelingt, muss mein Ego zurücktreten. Denn häufi g spüre ich, wie schnell sich dieses Ego in alles Handeln und Denken hineinmischt. Ich lasse mich dann nicht nur auf die Arbeit ein, ich möchte auch Eindruck machen. Ich schreibe nicht einfach, was ich spüre. Ich möchte auch gelobt werden. So verweist uns Johannes immer wieder darauf, unser Ego loszulassen und – wie er – auf Christus zu verweisen. Matthias Grünewald hat dieses Hinweisen des Täufers auf dem Isenheimer Altarbild wunderbar ausgedrückt: Da zeigt Johannes mit ausgestrecktem Finger auf Christus. So wünsche ich Ihnen, dass auch Sie die Sonnenwende bewusst wahrnehmen. Das Fest Johannes des Täufers lädt Sie dazu ein, immer mehr auf Christus zu verweisen, mit Ihrer ganzen Existenz. Und die abnehmende Sonne kann Ihnen bewusst machen, dass die innere Sonne zunimmt, dass das innere Licht in uns immer stärker wird. So möge die äußere Jahreszeit für Sie eine Zeit der Wende nach innen werden: zu einem Symbol, dass das Ego zurückweicht und das wahre Selbst in Ihnen immer mehr aufleuchtet.

Ihr Pater Anselm  

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