Liebe Leserin, lieber Leser!

Der Februar ist in diesem Jahr geteilt: Die erste Hälfte steht noch ganz unter dem Vorzeichen der „närrischen Zeit“, dem Fasching bzw. Karneval. Die zweite Hälfte ist von der Fastenzeit geprägt. Beide Pole gehören zu unserem Leben. Die Faschingszeit will uns einladen, unsere alltäglichen Masken einmal abzulegen. Wenn wir uns jetzt verkleiden, können wir uns selbst auf neue Weise erfahren und spüren, dass wir auch in den Rollen, die wir spielen, nie ganz aufgehen. Wir spielen zwar immer eine Rolle, aber wenn wir nur in einer Rolle völlig aufgehen, verlieren wir unser eigentliches Selbst. Die Faschingszeit kann uns also zu mehr Distanz zu unseren Rollen und Masken führen. Die Fastenzeit wiederum lädt ein, uns in die innere Freiheit einzuüben, indem wir bewusst darauf verzichten, jedes Bedürfnis sofort zu befriedigen. Beide Wege sind Wege in die Freiheit: die Faschingszeit als Einübung in die Freiheit von Rollen und Masken, die Fastenzeit als Training in die Freiheit von Bedürfnissen. Doch beides sind auch experimentelle Wege. Wir können weder immer in der Faschingszeit noch immer in der Fastenzeit leben. Die Faschingszeit will uns befähigen, die uns angemessene Rolle zu fi nden. Und in der Fastenzeit üben wir ein, wieder neu zu genießen. Die Fastenzeit will uns auf Ostern vorbereiten, auf das Fest, an dem wir frei werden von allen Fesseln, und an dem das Leben in uns neu aufbrechen möchte. So wünsche ich Ihnen sowohl eine frohe Faschingszeit als auch eine gesegnete Fastenzeit. Nehmen Sie diese sechs Wochen bewusst als Trainingszeit, damit Sie das übrige Jahr bewusster, achtsamer und freier leben können.

Ihr Anselm Grün

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