Liebe Leserin, lieber Leser!

Der Monat März ist in diesem Jahr von der Fastenzeit geprägt. Das ist für mich immer eine Zeit der inneren und äußeren Reinigung. Ich beginne mit einer Woche strengen Fastens, in der ich nur Wasser und Tee trinke. Das reinigt meinen Leib. Aber wenn der Geist trübe Gedanken in sich trägt, genügt das nicht. Die Mönche der Antike meinten daher: Kein Fleisch zu essen, nützt nichts, wenn einer fortwährend das Fleisch der Mitmenschen isst, d.h. wenn er andere innerlich ständig verurteilt. Es braucht auch die Reinigung von Gedanken und Sprache. Denn in unsere Sprache schleicht sich leicht das Bewerten ein, das Reden über andere oder die Tendenz, sich selbst in Worten besser darzustellen, als man ist. Jesus sagt von seiner Sprache: „Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu Euch gesprochen habe.“ (Joh 15,2) Er hat so zu den Menschen gesprochen, dass sie sich rein fühlten, im Einklang mit sich selbst. Die Fastenzeit ist eine Herausforderung, sich in diese reine Sprache Jesu einzuüben. Ein Weg solcher Einübung kann es sein, sich das Reden über andere zu verbieten. Ein Mönch im 4. Jahrhundert hat das so ernst genommen, dass er ein ganzes Jahr einen Stein im Mund hatte, um sich daran zu hindern, über andere zu reden. So radikal müssen wir das nicht tun. Aber eine gute Übung wäre es, bewusst einmal eine Woche lang nicht über andere zu reden. Wer das tut, wird auch nach dieser Woche sensibler mit seiner Sprache umgehen. So wünsche ich Ihnen eine gesegnete Fastenzeit als Zeit innerer und äußerer Reinigung und als eine Zeit, in der Sie frei werden von dem Zwang, jedes Bedürfnis sofort erfüllen zu müssen. Die Freiheit und Reinheit mögen Sie für Gott öffnen, damit Gottes Geist Sie erfüllt und Sie diese Zeit als eine geistliche Zeit erfahren und genießen können.

Ihr

Anselm Grün  

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