Liebe Leserin, lieber Leser!

Münsterschwarzach liegt in einer Weingegend. In Franken wird im Oktober traditionell Weinlese gehalten. Es gibt jetzt den Federweißen. Und man trinkt den alten Wein, um dem neu entstehenden Wein Platz zu machen. Die Winzer verstehen den Wein als Geschenk des Himmels und der Erde. Sie müssen in ihrem Weingarten hart arbeiten, damit die Erde Frucht trägt. Und der Wein hat tatsächlich etwas vom Geschmack der Erde. Denn je nachdem, auf welchen Böden er wächst, prägen sich der Charakter und die Qualität des Weins aus. Zugleich ist der Wein ein Geschenk des Himmels. Gott selbst, so der Psalmist, schenkt uns den Wein, „der das Herz des Menschen erfreut“. (Ps 104,15) Jesus macht den Wein zum Zeichen seiner Liebe, zum Zeichen seines Blutes, das er aus Liebe für uns vergießt. In der Eucharistie schmecken wir diese Liebe im verwandelten Wein, eine Liebe, die stärker ist als der Tod. Daher war das Weintrinken – bei aller Gefahr, vor der die Bibel auch immer warnt – immer auch ein spirituelles Tun. Man hat den Wein ganz langsam und bewusst genossen, um – wie die Frauenmystik des Mittelalters sagt – die „dulcedo dei“, die „Süßigkeit Gottes“ zu schmecken. Im „goldenen Oktober“ genießen wir auch die Schönheit der Natur mit ihren leuchtenden Farben ganz besonders und schauen darin die Schönheit Gottes selbst. So wünsche ich Ihnen, dass Sie im Wein, wenn Sie ihn lieben, Gottes Liebe zu uns Menschen leibhaft erfahren und genießen. Und dass Sie, wenn Sie im Oktober gerne wandern, die Schönheit der Natur, der Wälder und Wiesen in sich aufnehmen. Schönheit hat immer eine heilende Kraft. Denn Schönheit ist die Heimat der Seele, wie ein irischer Dichter sagt. So wünsche ich Ihnen, dass Sie sich in der Schönheit der Schöpfung daheim fühlen.

Ihr

Anselm Grün

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