Liebe Leserin, lieber Leser!

Unsere Abtei Münsterschwarzach feiert in diesem Jahr ihr 1200-jähriges Jubiläum. Seit im Jahre 816 ein Fürst Megingaud in der Nähe von Münsterschwarzach ein Kloster errichtete und ihm etwas von seinem Besitz vermachte, hat dieses Kloster viel erlebt: Zeiten der Blüte, aber auch der Not und Krise. 1803 wurde es durch die Säkularisation aufgehoben, der Besitz an Privatleute verkauft. Erst 1913 konnten die Mönche von St. Ottilien hier wieder ein Kloster gründen. 1941 wurde die Abtei von der Gestapo aufgehoben. Im April 1945 konnte der Abt mit einigen Mönchen wieder ins Kloster einziehen. Eine wechselhafte Geschichte, wie sie wohl der Lebensgeschichte jedes einzelnen mit ihren Höhen und Tiefen entspricht. Für mich ist es wichtig, in einer langen Tradition zu stehen. Wenn wir im Chorgebet die alten Psalmen beten, sind sie für mich angereichert mit den Erfahrungen all der Mönche, die diese Psalmen seit 1200 Jahre hier gebetet haben. Diese Mönche stehen gleichsam hinter mir. Sie stärken mir den Rücken, um mir Mut zu machen, das eigene Leben mit Gott zu leben. Ich habe teil an ihrer Glaubenskraft. Das wünsche ich auch Ihnen, wenn Sie das Vaterunser oder andere Gebete beten, die schon Ihre Eltern und Großeltern gebetet haben. Stellen Sie sich vor, dass diese Gebete angereichert sind durch den Glauben dieser Menschen. Und stellen Sie sich vor, dass die Verstorbenen jetzt als Schauende beten. Dann fühlen Sie sich getragen vom Glauben Ihrer Vorfahren, und Sie erfahren Ihre Wurzeln neu, aus denen Sie leben. Dann werden Sie sein „wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken.“ (Psalm 1,3)

Ihr

Anselm Grün

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