Editorial

Jetzt sind sie also da – die Flüchtlinge! Noch mehr werden kommen. Denn wo ist eine wirksame Bekämpfung der Fluchtursachen vor Ort, weltweit, in Sicht?
Was also machen wir nun mit denen, die oftmals auf einer beschwerlichen Reise wortwörtlich ›ihren langen Weg zu uns‹ gefunden haben bzw. noch finden werden? Wie soll eine ›nachhaltige‹ Integration sowohl junger wie alter, gebildeter und ungebildeter, relativ wohlhabender und bettelarmer, glücklicher und unglücklicher, zufriedener und traumatisierter Menschen unterschiedlichster kultureller Herkunft und religiös-spiritueller Verwurzelung gelingen? Werden wir uns überhaupt sprachlich verständigen können mit den uns fremden Menschen, die bei uns bleiben dürfen, zurückgeschickt werden oder einfach ›untertauchen‹? Und werden wir uns empathisch in sie einfühlen können? Oder wird Unverständnis bzw. die Akzeptanz des Anders-Seins und Fremd-Bleibens überwiegen? Wie werden wir reagieren, wenn nicht alle neuen MitbewohnerInnen ein solidarisches, friedliches und ehrliches Miteinander suchen? Und wie werden wir mit denen umgehen, die Flüchtlinge als persönliche Bedrohung einstufen, weshalb sie sich ihnen gegenüber verbal aggressiv bis hin zu körperlich gewalttätig verhalten? Verschiebt sich vielleicht sogar unser europäisches Wertefundament? Wie steht es um den christlich-muslimischen Dialog angesichts der Flüchtlingsfrage und wie positioniert sich die Katholische Kirche in der komplizierten Gemengelage?
Um solchen Frage begegnen zu können, bieten wir Ihnen in diesem Heft spannende Beiträge aus Perspektiven kirchlicher Leitung, theologischer Lehre, gemeindlicher Arbeit und diakonischem Engagement. Auch Autoren mit z. T. intensiver Auslandserfahrung und anderen Muttersprachen vermitteln uns neue Blickwinkel. Sie werden erstaunt sein, wie der christliche Glaube Menschen zur bedingungslosen Mit-Menschlichkeit befähigen kann!
Rupert Neudeck, der die Öffentlichkeit seit Jahrzehnten ›als einsamer Rufer in der Wüste‹ zu mehr Mitmenschlichkeit gegenüber Flüchtlingen aufgerufen hat, ist am 31. Mai dieses Jahres verstorben. Wir haben seinen kritischen Ruf vernommen, weshalb ihm in der Diakonia ein wertschätzender Nachruf gewidmet ist.

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