Editorial

»Ostern?! – ich glaub, da ist so ein Hase geboren, der Ostereier versteckt.« Dass es sich bei dieser Vorstellung um ein eklatantes Missverständnis handelt, das dürfte auch im 21. Jh. den meisten ChristInnen bekannt sein. »Pfingsten?! – Ich glaub, da kommt der Heilige Geist, weiß aber nicht genau, was das bedeutet.« Dieses Statement dürfte so manchen ChristInnen ebenfalls nicht ganz unbekannt sein. Woran aber liegt das eigentlich? Welche Bilder haben heutige Menschen vor sich, wenn vom Heiligen Geist die Rede ist? Glauben sie, wie bei den alten Griechen und Römern, dass Gott als Taube, d. h. in Tiergestalt auf Erden erscheint? Glauben sie, dass Gott wie eine lodernde Feuerzunge auf Menschen niederfährt, sie wortwörtlich begeistert, d. h. Kraft spendet und zu innovativem Handeln inspiriert? Rechnen aber heutige Menschen tatsächlich noch damit, dass Gott nicht nur in sakralen Räumen wie Kirchen, sondern auch mitten in der säkularen Welt (z. B. in der Natur, beim Sex, am Arbeitsplatz, im Familienleben) ohne zu erbringende Vor- und Gegenleistung potentiell von jedem Menschen erfahren werden kann?
Dass selbst in der Theologie die Lehre vom Heiligen Geist (Pneumatologie) bis ins 21. Jh. hinein eher eine marginale Rolle spielte, verdankt sich gemäß Dogmatikern wie Bernd Jochen Hilberath und Bernhard Nitsche nicht nur der Tatsache, dass das in der deutschen und lateinischen Sprache männliche Wort (Geist / spiritus) in der hebräischen Sprache ursprünglich ein weibliches Wort (ruach) war, weshalb es nicht gestattet ist, Gott auf ein männliches Bild zu reduzieren, sondern auch der Tatsache, dass das Feuerbild, das nicht für kritiklose Systemstabilisierung steht, in so manchen kirchlichen Kreisen nicht gerade auf Gegenliebe stieß. Dass der / die Heilige Geist gerade in freikirchlich-charismatischen Kreisen wiederentdeckt worden ist, weshalb auch das biblisch erzählte Pfingstereignis wieder neu ins Bewusstsein rückte, ist ebenso eine Tatsache wie die, dass dadurch die Gefahr entstand, das trinitarische Gottesbild auf die Erfahrungs-Dimension ›Geist‹ zu verkürzen.
Lassen wir uns im Folgenden inspiriert von Papst Franziskus, der in Erinnerung ruft, dass der Heilige Geist weht, wann, wo und wie er will (Evangelii gaudium), davon überraschen, was die AutorInnen dieses Heftes dazu beizutragen haben.

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