Editorial

Gibt es angesichts der Fülle struktureller Probleme und Konflikte, die die Glaubwürdigkeit der Katholischen (Amts)Kirche gegenwärtig gerade in deutschsprachigen Ländern nicht nur nach außen, sondern auch nach innen massiv untergraben, für eine diakonisch ausgerichtete Fachzeitschrift nicht wichtigere Themenschwerpunkte als ausgerechnet ›Freude ‹? Vielleicht! Vielleicht hilft aber gerade die inhaltliche Rückbesinnung auf die typisch christliche ›Frohe Botschaft‹, Veränderbares mutig zu verändern und gegenwärtig Unveränderbares mit Gelassenheit und ungebrochener Lebensfreude zu ertragen. Mit diesem Heft laden wir dazu ein, sich eine Lese-Aus-Zeit zu gönnen, um angeregt durch altbewährte und neuartige Ideen, Impulse und Praxisbeispiele im eigenen Tätigkeitsfeld kleine und große Hoffnungszeichen zu setzen.

Mit großer Freude habe ich in meiner Funktion als Lehrstuhlinhaberin für Pastoraltheologie und Diakonische Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) das Angebot des Verlags Herder angenommen, die Schriftleitung der Diakonia zu übernehmen. Um sich den Leserinnen und Lesern bekannt zu machen, steuern in diesem Heft alle neuen Redaktionsmitglieder einen Beitrag zum Themenschwerpunkt ›Freude‹ bei. Während Holger Zaborowski eine erhellende philosophische Annäherung vorlegt, in der dem Phänomen der ›Freude‹ wortwörtlich auf den Grund gegangen wird, wage ich aus pastoraltheologischer Perspektive, seine Thesen aufzugreifen und für die typisch christliche Sichtweise von Mensch-Sein durchzubuchstabieren. Auf der Grundlage psychoanalytischer und pastoral-ästhetischer Überlegungen legt daraufhin Wolfgang Reuter den Fokus auf kleine seelsorgliche Szenen und darin aufblitzende beglückende Erfahrungen. Klaus Vellguth dagegen weitet den Blick missionstheologisch auf Erfahrungen in der Weltkirche, die er mit der typisch deutschen Fähigkeit zum Unglücklich-Sein kontrastiert. Einen erstaunlichen Einblick in den Stellenwert des Motivs ›Freude‹ in Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils stellt Joachim Schmiedl aus kirchenhistorischer Perspektive zur Verfügung. Damit korrespondierend liefert Thomas Brose eine systematische Reflexion, inwieweit sich ›Freude am Christsein‹ in ›unchristlicher‹ Umgebung (Christlicher Garten in Berlin) widerspiegeln kann. Dass unter der Rubrik ›Best Practice‹ Projekte vorgestellt werden, die vor Lebensfreude sprühen, ist schlichtweg unvermeidbar.

Neues von HERDER

Bleiben Sie informiert über das Programm des Verlags mit dem kostenlosen HERDER-Newsletter.